Allein bei einer Geiselnahme in der Pariser Konzerthalle Bataclan hat es nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als hundert Tote gegeben. Die Polizei stürmte das Gebäude. 

Hier geht es zum Liveblog zu den Terror-Anschlägen von Paris. Eine Reportage von unserer Autorin Karin Finkenzeller vom späteren Abend lesen Sie hier.

In der Nähe des Fußballstadions Stade de France, wo gerade die Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich gegeneinander spielten, ereigneten sich mehrere Explosion. Mindestens eine von ihnen wurde von einem Selbstmordattentäter ausgelöst, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. 50 Verletzte schwebten am Abend noch in Lebensgefahr.

Kurz nach Mitternacht stürmten Einsatzkräfte der Polizei die Konzerthalle Bataclan, wo die Geiselnahme zu diesem Zeitpunkt noch andauerte. 1.500 Menschen waren in der Halle. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen sind bei der Stürmung des Gebäudes drei mutmaßliche Terroristen getötet worden. Sie starben offenbar durch selbst gezündete Sprengladungen. Ein Augenzeuge berichtete im Radiosender France Info, die Angreifer hätten "Allah Akbar" (Gott ist groß) gerufen und "voll in die Menge geschossen". Bisher bekannte sich keine Organisation zu den Taten.

Die Konzerthalle liegt nur etwa 200 Meter von der früheren Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo entfernt, auf die Islamisten im Januar einen Anschlag mit zwölf Toten verübt hatten.

Präsident François Hollande gab in einer TV-Ansprache aus dem Elysée-Palast bekannt, dass mit sofortiger Wirkung der Ausnahmezustand gilt. Die Grenzen sollen geschlossen bleiben. Er sprach von "bisher nie dagewesenen Terrorangriffen". Er habe "alle möglichen Einsatzkräften mobilisiert", um "die Terroristen zu neutralisieren" und die Sicherheit in den betroffenen Stadtvierteln wieder herzustellen. Er habe zudem militärische Verstärkung für den Ballungsraum Paris angefordert, um weitere Anschläge zu verhindern. "Es ist ein Grauen", fügte er hinzu.

Präsident Hollande wurde aus dem Stadion evakuiert

Hollande war noch vor Ende des Fußballspiels aus dem Stadion in Sicherheit gebracht worden und richtete im Innenministerium einen Krisenstab ein. Die Zuschauer wurden aus drei Ausgängen geleitet. Hunderte Zuschauer hatten sich nach dem Abpfiff zunächst auf den Rasen begeben und dort ausgeharrt.

Die Polizei und die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo forderten alle Pariser auf, zu Hause zu bleiben. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Die Krankenhäuser in Paris setzten einen Notfall- und Krisenplan in Kraft. Fünf Metro-Linien wurden unterbrochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich "tief erschüttert" über die Gewalt. "Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe, ihren Angehörigen sowie allen Menschen in Paris", erklärte Merkel. Die Bundesregierung stehe in Kontakt mit der französischen Regierung und habe ihr die Anteilnahme und Solidarität der Menschen in Deutschland übermittelt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der neben Hollande im Stadion gesessen hatte, zeigte sich "entsetzt und erschüttert". "Wir stehen an der Seite Frankreichs", schrieb sein Ministerium auf Twitter. Auch Fußball-Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich in der ARD "erschüttert und schockiert" über die Anschläge. Teammanager Oliver Bierhoff sagte, auch die Spieler seien geschockt.

Obama: "Angriff auf die ganze Menschheit"

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Anschlagsserie als "einen Angriff auf die ganze Menschheit und unsere universellen Werte". Bei einer kurzen Ansprache im Weißen Haus bot er Frankreich die Hilfe seines Landes an, um "die Terroristen vor Gericht zu bringen". Auch der britische Premierminister David Cameron äußerte sich schockiert.

In Frankreich galten bereits vor den Anschlägen wieder verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Wegen "terroristischer Gefahr" und "Risiken für die öffentliche Ordnung" hatte die Regierung auch beschlossen, vor der Weltklimakonferenz die Grenzkontrollen wieder aufzunehmen. Die Klimakonferenz, zu der zahlreiche Spitzenpolitiker aus aller Welt erwartet werden, beginnt am 30. November.