Der mutmaßlich an den Attentaten von Paris beteiligte Belgier Salah Abdeslam ist auf der Flucht offenbar dreimal von der französischen Polizei kontrolliert worden. Französische Ermittler bestätigten einen entsprechenden Bericht der französischen Zeitung Le Parisien. Grundlage für den Bericht ist die Zeugenaussage von Hamza Attou, einem Freund von Abdeslam aus dem Brüsseler Viertel Molenbeek.

Attou und ein weiterer Freund, Mohammed Amri, sollen den flüchtigen Franzosen Abdeslam nach den Anschlägen vom 13. November mit dem Auto aus Paris abgeholt und nach Brüssel gefahren haben. Beide sitzen in Belgien in Untersuchungshaft. Attou zufolge drohte Abdeslam während der Fahrt, er werde das Auto in die Luft sprengen, sollte er nicht nach Brüssel gebracht werden. Er erinnerte den Angaben zufolge daran, dass sich auch sein an den Anschlägen in Paris beteiligter Bruder Brahim in die Luft gesprengt und dass er selbst Menschen mit der Kalaschnikow getötet habe.

Attou zufolge erzählte Abdeslam während der Fahrt, dass er den Ausweis seines Bruders in einem Auto zurückgelassen habe, damit Brahim "weltweit bekannt" werde – "so wie Coulibaly". Der Islamist Amédy Coulibaly war am 9. Januar, zwei Tage nach dem Anschlag auf das Pariser Büro der Satirezeitung Charlie Hebdo mit zwölf Toten, in einen jüdischen Supermarkt der Hauptstadt eingedrungen. Er erschoss dort vier seiner jüdischen Geiseln, bevor die Polizei ihn tötete.

Während der Flucht von Paris nach Brüssel verlangte Abdeslam laut Attou, langsam zu fahren und kleine Straßen zu benutzen, um nicht in Polizeikontrollen zu geraten. Das Trio geriet jedoch auf die Autobahn nach Belgien und wurde dreimal angehalten.

Bekifft ohne Ausweis durchgewunken

Bei der ersten Kontrolle habe sie der Polizist gefragt, ob sie etwas konsumiert hätten. Amri und Attou antworteten demnach mit Ja, weil sie gerade einen Joint geraucht hatten. Der Polizist habe gesagt, das sei "nicht gut", doch weil es "heute nicht das Vordringliche" sei, habe er sie ohne Kontrolle ihrer Papiere weiterfahren lassen. Abdeslam habe derweil schweigend auf der Rückbank gesessen. Erst beim zweiten und dritten Mal wurden die Personalausweise kontrolliert.

Bei der dritten Kontrolle an einer Tankstelle in der Nähe von Cambrai habe Abdeslam sogar seine Adresse in Molenbeek angegeben, sagte die Quelle aus Ermittlerkreisen weiter. Zu diesem Zeitpunkt wurde allerdings noch nicht nach Abdeslam gefahndet. Als Abdeslam von der Toilette kam, war den Angaben zufolge seine Jacke offen. Darunter seien weder ein Sprenggürtel noch eine Kalaschnikow zu sehen gewesen.

Bei den Attentaten vom 13. November in Paris wurden 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt. Mehrere Attentäter hatten in Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fußballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt. Die meisten Angreifer sind inzwischen identifiziert. Abdeslams Rolle bei den Anschlägen ist genau wie sein derzeitiger Aufenthaltsort unklar.