Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat die Ausschreitungen am Rande einer Demonstration von Neonazis im Süden der Stadt als schockierend bezeichnet. "Das ist offener Straßenterror. Diese Gewalt von Anarchisten und sogenannten Autonomen ist schockierend. Hier waren Kriminelle am Werk, die vor nichts zurückschrecken", sagte er laut Leipziger Volkszeitung. Sie hätten den so wichtigen friedlichen Protest gegen Neonazis diskreditiert: "Hier haben sich extreme Gewalttäter das Deckmäntelchen des Antifaschismus übergeworfen, um den Staat anzugreifen. Mein Dank gilt den (zu wenigen) Polizistinnen und Polizisten, die wieder einmal den Kopf hinhalten mussten."

Auch die Leipziger Linken-Politikerin Juliane Nagel kritisiert die Gewalteskalation: "Gerade in der Nähe einer Unterkunft für Asylsuchende sind solche Eskalationen mehr als deplatziert. Hier haben einige scheinbar eine Art Ersatzbeschäftigung für den verhinderten Protest gegen den Naziaufmarsch gesucht." Nagel nannte aber den Polizeieinsatz an vielen Stellen unverhältnismäßig: "Mit Tränengasgeschossen und körperlicher Gewalt gegen Demonstrierende wurden an vielen Stellen Grenzen überschritten. Zum Ende hin wurden Straßen mit Wasserwerfern freigeräumt und willkürlich Menschen eingekesselt."

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Ausschreitungen: "Dass die Kriminellen sogar in der Adventszeit voller blinder Zerstörungswut in einer Einkaufsstraße agieren und schwere Verletzungen von unbeteiligten Familien mit Kindern in Kauf nehmen, ist unerträglich."

In der Nacht nach den Krawallen und am Morgen blieb es in Leipzig weitgehend ruhig. "Es sind mehr Polizisten als sonst auf den Straßen. Wir schauen genau hin und sind auf alles vorbereitet", sagte ein Sprecher der Polizei. Es habe "keine Nachwehen" gegeben. Am Samstag waren acht Hundertschaften im Einsatz.

Nach Polizeiangaben wurden 69 Beamte verletzt und 50 Dienstfahrzeuge beschädigt. 23 Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. Vermummte hatten Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper geworfen, die Beamten gingen mit Wasserwerfern und Reizgas gegen die schwarz gekleideten Autonomen vor. Bei den Ausschreitungen ging eine Bushaltestelle zu Bruch, Müllcontainer brannten.

An den S-Bahnstationen in den Stadtteilen Connewitz und Plagwitz waren Kabelschächte in Brand gesetzt worden, um die Anreise der Neonazis zu erschweren. In den Stadtteilen Südvorstadt und Connewitz brannten laut Polizei an mehreren Stellen Autoreifen. Selbst die Feuerwehr sei angegriffen worden, twitterte die Polizei.

Weniger Neonazis als angemeldet

Nach Angaben der Studentengruppe Durchgezählt beteiligten sich etwa 2.500 Menschen an mehreren Gegendemonstrationen. An der Neonazi-Veranstaltung nahmen laut Polizei weit weniger als die angemeldeten 600 Menschen teil. Sie war von der Partei Die Rechte, der Offensive für Deutschland und des Bündnisses Thügida organisiert worden.

Das Ordnungsamt genehmigte eine 500 Meter lange Strecke in der Südvorstadt, die die Rechtsextremen unter Polizeischutz ablaufen konnten. Die Gegendemonstranten errichteten brennende Barrikaden und griffen Fahrzeuge der Leipziger Verkehrsbetriebe an.

Die Beamten nahmen zeitweise den gegen Rechtsextremismus engagierten Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König in Gewahrsam. Er hatte auf einer linken Gegendemonstration von seinem Lautsprecherwagen aus gesprochen. Am Abend kam er wieder frei. Laut Polizei wird gegen ihn wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch ermittelt. Zudem habe er sich Beamten widersetzt.