Beate Zschäpe will in ihrer Aussage im NSU-Prozess zu allen Anklagepunkten Stellung beziehen. Dies kündigte ihr Verteidiger Mathias Grasel im Bayerischen Rundfunk an. Er werde im Namen seiner Mandantin eine umfangreiche Erklärung verlesen. "Diese Erklärung wird sich mit allen angeklagten Punkten beschäftigen, und wir werden da auf jeden einzelnen Punkt eingehen", sagte er dem Sender.

Demnach werde es konkret darum gehen, was Zschäpe gewusst habe und worin sie involviert gewesen sei. Die Verlesung werde zwischen einer und eineinhalb Stunden dauern. Im Anschluss daran bekomme das Gericht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Diese würden aber voraussichtlich nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihm und seinem Kollegen Herrmann Borchert beantwortet werden.

"Schweigen ist hier nicht mehr die richtige Strategie", sagte Grasel mit Blick auf die bisherige Strategie der drei Pflichtverteidiger. Stattdessen sei nun "dringend eine Erklärung geboten". Der Jurist wurde vom Oberlandesgericht München erst im Juli – nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer – zum vierten Pflichtverteidiger bestellt. Zuvor hatten Zschäpes ursprünglichen Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl der mutmaßlichen Rechtsterroristin empfohlen, vor Gericht nicht auszusagen. Er sei nun vom Gegenteil überzeugt, so Grasel. "Das entspricht im Übrigen auch dem ursprünglichen Wunsch von Frau Zschäpe, der bereits seit ihrer Verhaftung im März 2011 so existierte."

Genauer Zeitpunkt der Aussage noch offen

Beate Zschäpe ist der Mittäterschaft an allen zehn Morden angeklagt, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zur Last gelegt werden. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, dass sie an einem der Tatorte der Morde war. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 2011 mutmaßlich durch Suizid ums Leben gekommenen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Verbrechen verübt haben.

Zschäpe ist in den Augen der Anklage deshalb Mittäterin, weil sie durch das Aufrechterhalten einer bürgerlichen Fassade das Leben im Untergrund des NSU-Trios ermöglicht haben soll. Zudem soll sie 2011 das letzte Versteck des Trios in Brand gesetzt und damit eine schwere Brandstiftung verübt haben.

Der NSU-Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt. Ob die Erklärung bereits dann oder erst an den beiden in dieser Woche folgenden Verhandlungstagen am Mittwoch und Donnerstag verlesen wird, ist bislang noch offen.