Die britische Polizei hat nach einem Messerangriff in einer Londoner U-Bahn-Station Ermittlungen wegen einer möglichen terroristischen Tat eingeleitet. Ein Unbekannter hatte am Samstagabend in der Station Leytonstone im Osten der britischen Hauptstadt auf drei Menschen eingestochen. Der Angreifer wurde festgenommen. Eines der Opfer erlitt schwere, aber keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Die anderen beiden wurden leicht verletzt.

Nun ist auf Twitter ein Video aufgetaucht, in dem ein Passant zu hören ist, der dem Täter zuruft: "Du bist kein Muslim, Bruder." Viele Nutzer machten sich diesen Satz zu eigen. Es sei die Antwort der Londoner auf den Terror, schrieb etwa die britische Tageszeitung The Independent.

Die Zeitung Evening Standard berichtete, dass der Angreifer bei seiner Tat gerufen haben soll: "Das ist für Syrien." Der Mann habe auch andere U-Bahn-Gäste bedroht, sagte ein Passant, der den Angriff beobachtete.

Polizisten konnten ihn nach Einsatz eines Elektroschockers noch vor Ort festnehmen. "Wir behandeln dies als terroristischen Vorfall", sagte der Vorsitzende der Anti-Terror-Polizei, Richard Walton. Er rief die Bevölkerung auf, "ruhig zu bleiben, aber wachsam zu sein".

Auf den Amateurvideos, die im Internet veröffentlicht wurden, waren Blutspuren in der U-Bahn-Station zu sehen. Ein Polizist rief "Lassen Sie das Messer fallen!" und feuerte mit einer Elektroschockpistole auf den Angreifer. Eine andere Aufnahme zeigte, wie der Angreifer von Polizisten auf den Boden gedrückt wurde.

In der Nacht zum Sonntag wurde der Verkehr auf einem großen Abschnitt der U-Bahnlinie Central, an der die Station Leytonstone liegt, unterbrochen. Der U-Bahnhof wurde für die Spurensicherung abgeriegelt.

Der Angriff in der Schalterhalle ereignete sich drei Tage nachdem das britische Parlament bewilligt hatte, den Einsatz gegen IS-Ziele im Irak auch auf Syrien auszuweiten. Die britische Luftwaffe flog bereits erste Angriffe.

Cameron hatte bereits seit Längerem Luftangriffe in Syrien angestrebt, jedoch keine Mehrheit dafür hinter sich bringen können. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November, bei denen islamistische Attentäter 130 Menschen töteten, änderte sich die Stimmung. In Großbritannien gilt seit August 2014 die zweithöchste von fünf Terrorwarnstufen. Dies bedeutet, dass ein Anschlag als wahrscheinlich gilt.

Wenige Stunden vor der Messerattacke hatte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon gesagt, die Angriffe gegen den IS würden "die Straßen Großbritanniens sicherer" machen. Denn die Luftwaffe würde diejenigen treffen, die Anschläge "auf unser Volk und unsere Verbündeten vorbereiten". Fallon äußerte sich vor britischen Soldaten am Luftwaffenstützpunkt Akrotiri in Zypern, von wo aus die britischen Kampfjets Richtung Syrien starten.