Im Prozess um ein öffentlich gezeigtes Nazi-Tattoo hat das Amtsgericht Oranienburg den Angeklagten wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der 27-Jährige hatte zugegeben, dass die Tätowierung in einem Schwimmbad sichtbar gewesen war. Er ist bereits wegen Körperverletzung vorbestraft und sitzt für die NPD im Kreistag Barnim.

Die Tätowierung am unteren Rücken des Mannes zeigt ein Gebäude eines Konzentrationslagers, darunter ist in gotischer Schrift "Jedem das Seine" zu lesen. Der Spruch stand am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald. 

Aufgefallen war die Tätowierung einem Besucher des Erlebnisbads Oranienburg, wo der Verurteilte in Badehose unterwegs war. Der Besucher machte davon ein Foto und veröffentlichte es bei Facebook. Dazu schrieb er: "Solche Typen laufen unbehelligt im Schwimmbad in Oranienburg rum". Kurz darauf nahm die Polizei Ermittlungen auf.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte den Mann wegen Volksverhetzung angeklagt und zehn Monate Haft ohne Bewährung gefordert. Die Ankläger waren demnach davon überzeugt, dass er Verbrechen des Nationalsozialismus öffentlich gebilligt oder verharmlost hat und dass die Gefahr bestand, dass er den öffentlichen Frieden stört. Sein Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

Tattoos dieser Art sind nicht an sich strafbar. Der Staatsanwalt wird nur tätig, wenn ihre Träger sie öffentlich zeigen. Sofern der Mann ein T-Shirt überzieht, gibt es – zumindest juristisch – kein Problem. Neonazis überdecken verfassungswidrige Zeichen oder andere strafwürdige Zeichen und Schriftzüge bei presseöffentlichen Veranstaltungen meist mit Pflaster oder Verbandsmaterial – zu beobachten etwa bei den Pressefesten des Verlags der NPD-Zeitung Deutsche Stimme.

Das Urteil erging in einem  beschleunigten Verfahren. Bei Prozessen dieser Art gibt es keine schriftliche Anklage – dafür liege das Höchststrafmaß bei nur einem Jahr. "Das hat den Sinn, dass man Fälle, die klar liegen, die einfach sind und die nicht ganz so schwer wiegen, schnell aburteilt und dadurch die Justiz ein bisschen schont", erläuterte der Jurist Martin Heger, Strafrechtsprofessor an der Humboldt-Universität Berlin. Bei nicht ganz schwerwiegender Kriminalität sei eine schnelle Reaktion außerdem oft wichtiger als eine besonders harte.