Eine Untersuchung des Kölner Kriminalkommissariat 41 ergab: Von den mehr als 800 Maghrebinern, die zwischen Oktober 2014 und November 2015 bei der Kölner Polizei als Flüchtlinge registriert wurden, weil sie in deren Gebiet untergebracht waren, begingen 40 Prozent Straftaten, vor allem Raub und Diebstahl. Bei Syrern lag die Quote dagegen bei unter einem Prozent, bei Irakern bei 2 Prozent. Diese Ergebnisse sind allerdings nicht repräsentativ.

Nicht die Herkunft selbst ist entscheidend. Sondern, was sie auf dem Amt wert ist. Weniger als 4 Prozent der Asylanträge von Marokkanern werden bewilligt, knapp zwei Prozent der Algerier. Viele lassen sich deshalb gar nicht erst registrieren, sondern halten sich von beginn an illegal im Land auf. Integration gehört meist gar nicht erst nicht zu ihrem Plan. Ihre Devise lautet: Ein möglichst gutes Leben leben, nicht zu oft erwischen lassen, und wenn das Glück aufgebraucht ist, geht es woanders hin. "Sie haben Probleme, sich einzuordnen, leben teils schon seit Jahren als Vagabunden. Auch in der großen, gut integrierten nordafrikanischen Community bekommen sie daher Probleme und finden keinen Platz", sagt der Ethnologe Martin Zillinger. "Stattdessen landen sie in kriminellen Strukturen". Fängt das eine Netz sie nicht auf, verfangen sie sich im anderen.

Spontane Verabredungen zu Beutezügen

Die polizeilichen Ermittlungen des AP Nafri aus den letzten Jahren haben bislang noch kein Netzwerk im Sinne einer mafiösen Organisation entdeckt. "Wir schließen allerdings nicht aus, dass es eine solche Struktur gibt", sagt der Kriminalpolizist Thomas Schulte. Die Ereignisse von Silvester hat diese Frage nun noch dringender gemacht. Bislang weisen die Erkenntnisse des AP Nafri nur darauf hin, dass es sich um lose verbundene Gruppen handelt, die sich über ganz Nordrhein-Westfalen verteilen und über das Internet miteinander kommunizieren. "Was wir wissen, ist, dass sie sich zum Beispiel in ihren Flüchtlingsunterkünften treffen und spontan zu Beutezügen verabreden", sagt Thomas Schulte. Dabei beschränken sie sich nicht auf einen Ort. Regelmäßig nehmen Polizisten Tatverdächtige fest, die aus Mettmann, Gelsenkirchen oder Wuppertal nach Köln gefahren kommen und gestohlene Handys als ihre Pendlerpauschale verstehen.

Das macht die Ermittlungen schwierig. Es gibt keinen konkreten Ort, auf den sich die Polizei jetzt konzentrieren könnte. "Die meisten der 135 Beamten aus der Ermittlungsgruppe Neujahr hocken vor dem Rechner und bekommen viereckige Augen", erzählt ein erfahrener Polizist aus der ehemaligen Führungsriege der Kölner Polizei. Verpixelte Videos müssen gesichtet, soziale Netzwerke durchforstet, Handys geortet werden. Andere Ermittler vernehmen Zeugen, vergleichen Aussagen, legen Fotos von Verdächtigen vor. Auf der Straße ermitteln, mit Hausdurchsuchungen und Handschellenanlegen – das ist nach den diffusen Ereignissen der Silvesternacht die absolute Ausnahme.

Sollten Polizei und Staatsanwaltschaft Tatverdächtige überführen können und diese zu Haftstrafen von mindestens einem Jahr verurteilt werden, könnten viele von ihnen abgeschoben werden. Zumindest in der Theorie. Denn schon jetzt leben laut Innenministerium 8.000 ausreisepflichtige Nordafrikaner – nicht nur aus dem Maghreb – in Deutschland, viele von ihnen ohne Papiere. Die erforderlichen Ersatzdokumente für eine Abschiebung stellen indes weder Marokko noch Algerien aus.

Mehr zur Debatte nach den Angriffen in Köln finden Sie in der ZEIT Nr. 3 vom 14.01.2016 mit dem Titel "Wer ist der arabische Mann?" Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben.