In Deutschland haben seit Jahresanfang 181.405 Menschen einen Asylantrag gestellt. Das seien mehr als doppelt so viele wie in den ersten drei Monaten 2015 gewesen, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zur Vorstellung der offiziellen Zahlen.

Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sinkt währenddessen: Im Easy-System wurden im März dieses Jahres 20.608 Zugänge von Asylsuchenden registriert, im Februar waren es noch 61.428, im Januar 91.671. Das Easy-System ist eine Datenbank zur Erstverteilung der Asylsuchenden auf die Bundesländer, es gibt allerdings auch Fehl- und Doppelerfassungen. Von Januar bis März 2016 wurden insgesamt 173.707 Zugänge registriert, diese Zahl liege noch über dem Vorjahreszeitraum. Der Trend sei jedoch rückläufig, sagte de Maizière "Wir sind im Tagesdurchschnitt bei deutlich unter 200 pro Tag."

Dass die Zahl der Asylanträge steigt, während die Flüchtlingszahl sinkt, sei nur auf den ersten Blick widersprüchlich, sagte de Maizière. Die Asylanträge stammten zum Teil von Flüchtlingen, die sich schon länger in Deutschland aufhielten.

Für das laufende Jahr insgesamt sei es noch zu früh, eine Prognose der Flüchtlingszahlen abzugeben. "Wir wissen nicht, wie sich die Umsetzung des Türkei-Griechenland-EU-Abkommens dauerhaft entwickelt", sagte de Maizière. Es sei auch nicht einzuschätzen, auf welche Routen Flüchtlinge auswichen. Für die vergangenen Monate zog der Minister eine positive Bilanz: "Die von uns ergriffenen Maßnahmen wirken." 

Frank-Jürgen Weise, Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), sagte, die Bearbeitungszeit für derzeit eingehende Asylanträge liege unter drei Monaten. Statistisch liege die Bearbeitungszeit für alle Anträge jedoch bei etwa sechs Monaten. Das liege daran, dass derzeit viele "Altfälle" abgeschlossen würden, die bereits länger laufen.

Laut Weise sind im ersten Quartal 150.000 Asylbescheide zugestellt worden, im Vorjahresquartal waren es 58.000. Die Hauptherkunftsländer der Antragsteller waren Syrien, Irak und Afghanistan.

Es ließe sich nicht bestreiten, sagte de Maizière, dass der Rückgang der Flüchtlingszahlen wesentlich auf die geschlossene Balkanroute zurückzuführen sei. "Gleichzeitig haben wir Kritik daran geübt, dass das einseitig geschehen ist", sagte de Maizière. "Mit dem EU-Türkei-Deal hat sich das erledigt, es gibt jetzt eine europäische Lösung". Kein Land werde allein gelassen, der Schutz der EU-Außengrenzen werde verbessert und die EU stelle sich der humanitären Verantwortung.

Am gestrigen Donnerstag wurde erstmals ein zwischen der deutschen und der tunesischen Regierung verabredetes erleichtertes Abschiebeverfahren angewendet. Mit einer Chartermaschine wurden 24 ausreisepflichtige Tunesier vom Flughafen Leipzig/Halle zurück in ihr Heimatland gebracht, teilte das sächsische Innenministerium mit. Es sei die bislang größte Gruppe gewesen, die je aus Deutschland in einen Maghreb-Staat abgeschoben wurde.