Bei einem schweren Erdbeben in Ecuador sind mindestens 235 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa auf Twitter mit. Nach offiziellen Zahlen sind mindestens 1557 Menschen verletzt worden. Viele Menschen liegen noch unter den Trümmern, die Rettungsarbeiten dauern an.

Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand über Teile des Landes. Ecuadors Vizepräsident Jorge Glas sagte, 10.000 Soldaten seien im Einsatz, um bei Such- und Aufräumarbeiten zu helfen. Weitere 4.600 Polizisten sollten in die Gebiete nahe dem Epizentrum geschickt werden.

Das Rote Kreuz Ecuador teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, es sei mit mehr als 1.200 freiwilligen Helfern im Einsatz. Man leiste vor allem Erste Hilfe und stelle psychologische Unterstützung für die Betroffenen bereit. Zudem waren Helfer aus dem Ausland, vor allem aus Mexiko und Kolumbien, zur Unterstützung der Rettungsarbeiten nach Ecuador unterwegs. Der internationale Caritasverband stellte 100.000 Euro für die Soforthilfe zur Verfügung.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) lag das Zentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,8 etwa 173 Kilometer nordwestlich von Quito. In der Hauptstadt erschütterte das Beben die Gebäude etwa 40 Sekunden lang. In vielen Stadtteilen fiel der Strom aus. Am heftigsten war das Beben in der Stadt Esmeraldas an der Nordküste des Landes. Vizepräsident Jorge Glas zufolge war es das stärkste Beben in Ecuador seit 1979.

Die Erdstöße waren auch im Norden Perus und im Süden Kolumbiens zu spüren. Lokale Medien berichteten über mehrere Nachbeben entlang der Küstenregion Ecuadors. Eine durch das Pazifik-Zentrum herausgegebene Tsunamiwarnung wurde inzwischen wieder aufgehoben.

Der Präsident Rafael Correa befand sich zum Zeitpunkt des Bebens in Europa, reiste jedoch zurück, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Opfern und Angehörigen sprach er sein Mitgefühl aus. Vor seinem Rückflug sagte er per Telefon über das Staatsfernsehen: "Alles kann wieder aufgebaut werden, aber wir können kein menschliches Leben wieder herstellen – und das ist das Schmerzvollste." Das Erdbeben sei eine schmerzhafte Bewährungsprobe. "Aber ich bitte das Land um Ruhe und Geschlossenheit." Auch Papst Franziskus drückte den Opfern sein Mitgefühl aus.

Nach Angaben von Einsatzkräften wurden zwei wichtige Verbindungsstraßen zwischen der Küste und dem Landesinnerem wegen der Schäden gesperrt. Gabriel Alcivar, Bürgermeister des Ortes Pedernales, der nahe dem Epizentrum liegt, sagte: "Das war nicht nur ein Haus, das eingestürzt ist, sondern eine komplette Stadt."

Der Ort ist laut Medienberichten noch von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Augenzeugin aus der Stadt Manta sagte: "Es war, als ginge die Welt unter. Häuser krachten zusammen, Lichter gingen aus, die Menschen sind vollständig verzweifelt, unter den Trümmern liegen Verschüttete." Das ganze Ausmaß des Unglücks ist noch schwer abzuschätzen.

In Manta wurde der Flughafen geschlossen, nachdem der Tower beschädigt worden war. Auch der internationale Flughafen von Guayaquil wurde stillgelegt. Dämme und Ölpipelines wurden ebenfalls außer Betrieb genommen.

Rund 100 Häftlinge sind nach dem Beben aus einem Gefängnis in Portoviejo in der westlichen Provinz Manabí ausgebrochen. Dies teilte Ecuadors Justizministerin Ledy Zuñiga via Twitter mit. Etwa 30 Gefangene seien nach dem Ausbruch aus einer Anstalt in wieder gefasst worden, hieß es. Manabí ist eine der von den Erdstößen am stärksten getroffenen Regionen Ecuadors.

Eine geologische Verbindung zwischen den Erdbeben in Japan und Ecuador gebe es aber nicht, teilte das Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) mit. "Und es gibt auch keine erhöhte Bebenaktivität außer den nach solchen Starkbeben auftretenden Nachbeben." Ecuador und Japan befinden sich im sogenannten Ring of Fire (Ring aus Feuer); einer Zone, in der etwa die Hälfte aller weltweit aktiven Vulkane liegt.