In Frankreich haben mehrere Zehntausend Menschen gegen eine von Staatschef François Hollande vorangetriebene Reform des Arbeitsrechts protestiert. Demonstranten gingen in mehreren Städten auf die Straße und forderten von der sozialistischen Regierung, das Vorhaben aufzugeben. Die Behörden sprachen von 170.000 Demonstranten, die Gewerkschaften von 600.000.

Dem Demonstrationsaufruf von Gewerkschaften, Studenten- und Schülerorganisationen folgten zahlreiche Menschen unter anderem in der Hauptstadt Paris, Marseille, Nantes und Rennes. Schüler blockierten landesweit mehrere Gymnasien. Streiks führten zu kleineren Behinderungen im Zug- und Flugverkehr. Weil auch in Druckereien die Arbeit niedergelegt wurde, fehlten an den Kiosken viele Zeitungen.

In mehreren Städten gab es erneut gewalttätige Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und der Polizei. Demonstranten bewarfen die Einsatzkräfte mit Wurfgeschossen, diese setzten Tränengas und Schlagstöcke ein. Mehr als hundert Demonstranten seien festgenommen worden. 24 Polizisten wurden verletzt, drei von ihnen schwer, teilte Innenminister Bernard Cazeneuve mit.

Es war bereits der vierte landesweite Protesttag gegen Hollandes Reformpläne in weniger als zwei Monaten. Bei den bislang größten Demonstrationen gegen die Lockerung des Arbeitsrechts waren Ende März landesweit nach Angaben der Behörden 390.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter sprachen sogar von 1,2 Millionen Teilnehmern.

Nuit debout aus den Demonstrationen entstanden

Die Proteste würden nicht nachlassen, sagte der Chef der Gewerkschaft Force Ouvrière, Jean-Claude Mailly. "Denn es gibt echte Probleme mit diesem Gesetz." Im Kampf gegen die Rekordarbeitslosigkeit will Hollande unter anderem die 35-Stunden-Woche lockern und die Regeln für betriebsbedingte Kündigungen vereinfachen. Während der Präsident sich davon mehr Jobs erhofft, befürchten Kritiker schlechtere Arbeitsbedingungen und den Verlust sozialer Errungenschaften.

Die Regierung hat auf Druck der Gewerkschaften bereits einige Punkte des Gesetzestextes abgeändert. Die Kritiker konnten damit aber nicht zufriedengestellt werden. Die französische Nationalversammlung soll sich ab dem 3. Mai mit den geplanten Reformen befassen. Davor dürfte auch der Tag der Arbeit am 1. Mai im Zeichen der Proteste gegen die Lockerung des Arbeitsrechts stehen.

Im Zuge der Demonstrationen ist auch die Protestbewegung Nuit debout entstanden, die sich seit einem Monat jeden Abend am Pariser Place de la République versammelt. Die Pariser Polizeipräfektur untersagte Demonstrationszüge, die von dem Platz in der Pariser Innenstadt aus starten könnten. Untersagt wurden auch laute Musik und mit Lautsprechern übertragene Reden nach Mitternacht.

Frankreich - Neue Bewegung demonstriert jede Nacht Jede Nacht besetzen Tausende Aktivisten die Place de la République in Paris. Was steckt hinter der Bewegung Nuit debout?