Frank S. hat das Attentat auf Henriette Reker vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin vor Gericht gestanden. Er habe sie an dem Wahlkampfstand in Braunsfeld nach einer Rose gefragt, zugestochen und das Messer direkt weggeworfen, sagte der 44-Jährige. Zugleich zeigte er Reue: "Das ist eine extreme, grausame Sache, die ich da gemacht habe", bekannte er vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. "Ich habe das als letzte Möglichkeit gesehen, etwas zu bewegen." Dabei ging er ganz gezielt vor: Rekers Wahlkampftermine habe er schon am Vorabend herausgesucht und ausgedruckt, sagte er. "Die ganze politische Situation hat mich sehr deprimiert." 

Reker war vor der Wahl Sozialdezernentin in Köln und damit für die Unterbringung von Geflüchteten zuständig. Ihr Engagement für Migranten wurde ihr vermutlich zum Verhängnis.

Nach ihrem Wahlsieg hatte Reker wegen des Attentats am 17. Oktober 2015 ihr Amt erst verspätet antreten können. Sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Sie hatte den Ablauf der Tat ebenso beschrieben wie S. Der Angeklagte ergänzte vor Gericht nun, um Theatralik reinzubringen, damit die Tat martialischer wirke, habe er bewusst sein großes "Rambo-Messer" gewählt. Zudem trank er sich Mut an: Vor der Tat habe er schon morgens drei Bier getrunken, um sich zu enthemmen.

Frank S. muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Neben Reker hatte er vier weitere Wahlkampfhelfer verletzt. Reker lag während ihrer Wahl an die Spitze der größten Stadt Nordrhein-Westfalens im künstlichen Koma. Die parteilose Politikerin nahm die Wahl noch im Krankenhaus an.

Zum Prozessauftakt vor wenigen Tagen hatte S. eingeräumt, der rechten Szene in Bonn angehört zu haben. Unter anderem wegen "Schlägereien mit der Antifa" und "politischer Sachen" sei er mehrfach verurteilt worden. Zwischen 1997 und 2000 habe er gut drei Jahre im Gefängnis gesessen. Aus der Zeit stamme auch seine Tätowierung "Berserker Bonn". Das sei eine Art Bürgerwehr gewesen, sagte er. Mitglied der inzwischen verbotenen rechtsextremen FAP sei er nie gewesen, habe aber Kontakt zu Mitgliedern der Partei gehabt.