Im Prozess um das Attentat auf sie hat die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erstmals selbst ausgesagt. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht schilderte sie ihre Erinnerungen an den Messerangriff. Frank S. habe "in Sekundenschnelle" sein Messer gezogen und zugestochen. "Ich bin sofort zu Boden gegangen und habe gemerkt, dass ich aus Mund und Nase blute", sagte sie. Sie habe große Sorge gehabt, dass sie gelähmt sein könnte.

Bei einem Wahlkampftermin in Köln hatte S. Reker nach einer Rose gefragt und ihr dann ein Jagdmesser in den Hals gestoßen. Der 44-Jährige habe sie "sehr freundlich" um die Blume gebeten. Blitzschnell habe er dann das Messer gezogen und ihr in den Hals gestoßen. Die Klinge habe ihre Luftröhre durchtrennt und sei dann in den zweiten Brustwirbel eingedrungen.

Reker wurde lebensgefährlich verletzt und für fünf Tage in ein künstliches Koma versetzt. Währenddessen gewann sie die Abstimmung und wurde an die Spitze der größten Stadt Nordrhein-Westfalens gewählt.

Die Ärzte im Krankenhaus hätten später gesagt, sie habe "ganz großes Glück" gehabt, sagte Reker. Vom Gericht nach den Spätfolgen des Attentats befragt, gab die gelernte Juristin zwar an, sie habe "keine Angst vor großen Menschenmengen". Allerdings berichtete sie zugleich von "schlimmen Albträumen", von denen sie nach der Tat zeitweise heimgesucht worden sei.

Nach Rekers Zeugenaussage verzichteten die Anwälte des Angeklagten auf inhaltliche Fragen an die 59-Jährige. Der Verteidiger Christof Miseré fragte lediglich, ob Reker seinem Mandanten Gelegenheit zur Verlesung einer Erklärung mit "entschuldigenden Worten" geben wolle. Reker lehnte das ab. "Das ist noch nicht die richtige Situation", sagte die Kölner Oberbürgermeisterin.

Die Begegnung mit dem Attentäter sei für sie kein Problem, hatte Reker auf dem Weg in den Gerichtssaal gesagt. Sie sei aber auch "froh, wenn ich meine Arbeit am Schreibtisch im Kölner Rathaus heute wieder aufnehmen kann". Den Journalisten vor dem Saal dankte sie, "dass sie da sind und mir ein Stück weit beistehen", sagte Reker.

Attentäter droht lebenslange Haft

Der Angeklagte Frank S. hat die Messerattacke auf Reker bereits gestanden. Ihm droht wegen versuchten Mordes lebenslange Haft.

Der arbeitslose Maler und Lackierer war unmittelbar nach dem Angriff am Tatort festgenommen worden. Er bestreitet den Vorwurf des versuchten Mordes: Er habe die heute 59-Jährige nur verletzen wollen. Die fünf weiteren Personen, die an dem Wahlkampfstand Stichwunden davontrugen, habe er nicht absichtlich verletzt. "Warum sollte ich auf einmal unschuldige Menschen angreifen?", hatte Frank S. die Richterin gefragt.

Die parteilose Oberbürgermeisterin war vor ihrer Wahl als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge in Köln zuständig. Mit dieser Arbeit war Frank S. nicht einverstanden. Vor Gericht hatte er ausgesagt, er habe gegen Rekers Flüchtlingspolitik ein Zeichen setzen wollen. Damit die Tat martialischer wirke, habe er bewusst sein großes "Rambo-Messer" mit einer 30-Zentimeter-Klinge gewählt. Zudem habe er sich Mut angetrunken: Vor der Tat habe er schon morgens drei Bier getrunken, um seine Hemmschwelle zu senken.

Zum Prozessauftakt vor gut zwei Wochen hatte S. außerdem eingeräumt, der rechten Szene in Bonn angehört zu haben. Unter anderem wegen "Schlägereien mit der Antifa" und "politischer Sachen" sei er mehrfach verurteilt worden.