Polizisten haben im griechischen Grenzort Idomeni Tränengas und Blendgranaten gegen Hunderte Flüchtlinge eingesetzt. Diese hatten versucht, Absperrungen zu durchbrechen und die abgeriegelte Grenze zu Mazedonien zu überqueren. Daraufhin hätten mazedonische Beamte die Menschen mit Tränengas und Blendgranaten abgewehrt, teilte die griechische Polizei mit. Ein Regierungsvertreter sagte Spiegel Online, Athen verurteile den Einsatz von Tränengas gegen Personen auf griechischer Seite. Das Außenministerium bereite eine Reaktion vor.

Ein Vertreter der mazedonischen Polizei sagte hingegen, die griechischen Sicherheitskräfte seien für das Tränengas verantwortlich. Einige Flüchtlinge seien nach dem Tränengaseinsatz umgekippt, berichtete der griechische Sender Ert.

Videos von Reportern vor Ort zeigen, wie die Menschen über eine große Weide in Richtung Grenzzaun rennen. Sie werfen Steine, die mazedonischen Sicherheitskräfte antworten mit Tränengas, dumpfe Explosionen sind zu hören. Andere Tweets zeigen Menschen, die nach dem Einsatz von Tränengas behandelt werden müssen.

Ausgangspunkt für die Aktion der Flüchtlinge war ein Flugblatt, dass am Samstag in Idomeni verteilt worden war. Darin waren die etwa 11.000 Bewohner des Lagers in arabischer Sprache für Sonntagmorgen zum "Marsch auf die mazedonische Grenze" aufgerufen worden. Griechische Medien berichteten, dass sich diese Nachricht schnell auch in anderen Flüchtlingslagern in Grenznähe verbreitet habe. Flüchtlinge seien deshalb am Sonntag extra in der Hoffnung nach Idomeni gereist, die Grenze passieren zu können. Zudem hatten Gerüchte kursiert, dass die Grenze geöffnet werden würde. Spiegel Online berichtet von einem Mann aus dem Irak, der am Morgen gesagt haben soll: "Wenn Gott will, werden wir die Grenze heute übertreten."

Bereits Mitte März hatte ein ähnliches Flugblatt für Aufregung gesorgt. Rund 2.000 Flüchtlinge waren damals der Aufforderung gefolgt, einen reißenden Fluss zu überqueren. Drei Menschen waren dabei ertrunken. Wer es nach Mazedonien schaffte, wurde von den dortigen Sicherheitskräften umgehend zurückgeschickt. Griechische Medien vermuten, dass Aktivisten hinter diesen Aktionen steckten, aber Beweise gibt es dafür nicht.

In dem Grenzort Idomeni sitzen mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor wenigen Wochen abgeriegelt wurde. Seitdem fordern sie die Öffnung der Grenze zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland und in andere europäische Länder zu kommen.

Regelmäßig gibt es in Idomeni Proteste gegen die Grenzschließung. Bemühungen der griechischen Behörden, die Flüchtlinge dazu zu bewegen, Idomeni zu verlassen und nahegelegene Registrierungszentren aufzusuchen, waren bislang kaum erfolgreich.