Jugendliche wollen so sein wie alle anderen. Das ist ein zentrales Ergebnis der Sinus-Jugendstudie "Wie ticken Jugendliche 2016?". Die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugendsubkulturen gebe es kaum mehr. Mainstream gelte weniger als Schimpfwort, sondern als Schlüsselbegriff zur Selbstbeschreibung.

Die Jugendlichen in Deutschland wollen sich demzufolge kaum mehr abgrenzen und streben gemeinsame Werte wie Freiheit, Aufklärung und Toleranz an. Der "Neo-Konventionalismus" deute "auf eine gewachsene Sehnsucht nach Aufgehoben- und Akzeptiertsein, Geborgenheit, Halt sowie Orientierung in den zunehmend unübersichtlichen Verhältnissen einer globalisierten Welt" hin, schreiben die Auftraggeber der Untersuchung. Die Akzeptanz von Vielfalt nimmt der Studie zufolge zu.

Das trifft auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu, vor allem auf die muslimischen. Sie distanzieren sich demonstrativ von religiösem Fundamentalismus, obwohl sie grundsätzlich gläubiger sind als gleichaltrige Christliche. Christliche Jugendliche fühlen sich weniger stark an einen institutionellen Rahmen gebunden als muslimische Gleichaltrige; Glaubens- und Sinnfragen beschäftigen alle Befragten.

Dementsprechend ist die Mehrheit für die Aufnahme von Geflüchteten. In Teilen der Jugend in Deutschland zeigen sich jedoch auch Ressentiments und ausgrenzende Haltungen gegen Menschen anderer nationaler Herkunft und sozialer Randgruppen.

Mit spätestens Mitte 30 möchten die meisten der Befragten in einer dauerhaften Partnerschaft leben. Zudem sagten die meisten, dass die Zeit vor der Partnerschaft keine Phase des "Sich-Auslebens" sei. Der digitale Alltag ist nach den Aussagen der Befragten gesättigt, jedoch wünschen sie sich mehr Aufklärung in dem Bereich.

Die eine Jugend als homogene Gruppe gibt es aber nicht. Die Forscher unterscheiden zwischen verschiedenen Milieus: Dazu zählen Konservativ-Bürgerliche, Sozial-Ökologische, Erfolgs- und Lifestyle-Orientierte, Leistungs- und Familien-Orientierte, Spaß- und Szene-Orientierte, Freizeit- und Konsum-Orientierte Unterschicht und Jugendliche aus prekären Verhältnissen.

Für die Studie des Sinus-Instituts wurden 72 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren zu ihren Einstellungen in Tiefeninterviews ausführlich befragt. Im Sinne der Statistik ist sie nicht repräsentativ, in der Jugendforschung ist diese Methode wegen ihrer Tiefenschärfe anerkannt. Die Ergebnisse gelten mit Blick auf die Psychologie als repräsentativ. Die Erhebung erfolgt seit 2008 alle vier Jahre. Zu den Partnern der Untersuchung gehören unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge und die katholische Bischofskonferenz.