Beim Landeskriminalamt (LKA) Mecklenburg-Vorpommern sollen zwei Mitarbeiter jahrelang dienstinterne Informationen verkauft haben. Nach Angaben des NDR handelt es sich um Schmiergeld im sechsstelligen Bereich, möglicherweise geht es sogar um mehr als 500.000 Euro. Die Behörden ermitteln wegen illegaler Informationsgewinnung und -beschaffung, Bestechung, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung.

Vier Verdächtige, darunter ein 60-jähriger Kriminalhauptkommissar des LKA und ein 32 Jahre alter Ex-Polizist aus Mecklenburg-Vorpommern, wurden am Mittwoch verhaftet. Der Haftbefehl gegen den 32-Jährigen wurde aber inzwischen wieder aufgehoben, wie die Staatsanwaltschaft in Schwerin mitteilte. Verdächtigt werden außerdem ein früherer LKA-Mitarbeiter und die Ehefrau des 60-jährigen Beamten, die ebenfalls in Untersuchungshaft kam. Gegen sie wird wegen Beihilfe ermittelt.

Die zwei verdächtigen LKA-Mitarbeiter sollen Ermittlungsergebnisse und Informationen, die nicht unbedingt aus der eigenen Abteilung stammten, an den ukrainischen Geschäftsmann Dmytro Firtasch geliefert haben. Als Vermittlerin trat dabei jedes Mal eine Berliner Unternehmensberaterin auf. Die Geldübergaben erfolgten offenbar immer in bar, unter anderem an einem See in Brandenburg.

Firtasch wollte seine Auslieferung verhindern

Gegen den Oligarchen Firtasch laufen bereits seit Jahren Ermittlungen in den USA wegen Bestechung in Millionenhöhe sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Aus diesem Grund war Firtasch bereits im März 2014 in Wien, dem Sitz seiner österreichischen Firmenniederlassung, festgenommen worden. Österreich wollte ihn damals jedoch nicht an die USA ausliefern und ließ ihn gegen die Rekord-Kaution von 125 Millionen Euro wieder frei. Die erkauften Informationen sollten wohl dazu dienen, Firtaschs Auslieferung an die USA zu verhindern.

So erklärt sich jedenfalls eine Anfrage, die einer der beiden Beschuldigten aus dem LKA im Jahr 2009 beim Secret Service in den USA gestellt hatte. Er behauptete gegenüber der US-Behörde, er führe selbst Ermittlungen gegen Firtasch und bitte deshalb um Informationen über ihn.

Ermittler des Bundeskriminalamts durchsuchten in den vergangenen Tagen mehrere Wohn- und Büroräume in Mecklenburg-Vorpommern. Nach NDR-Informationen fanden auch auf dem Gelände des Landeskriminalamts in Rampe bei Schwerin Durchsuchungen statt. Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, möglicherweise gibt es weitere Verdächtige.

Am Mittwoch hatte es nach einem Rechtshilfeersuchen aus Deutschland außerdem eine Durchsuchung einer Villa von Firtasch im Wiener Bezirk Hietzing gegeben. Offenbar gibt es Zusammenhänge mit dem Fall in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schweriner Staatsanwaltschaft hat sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.