In der Brüsseler Gemeinde Molenbeek ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rechtsextreme hatten dort zu einer Demonstration aufgerufen. Die aber wurde von der Region Brüssel verboten. Am Börsenplatz in der Innenstadt hatten sich linke Gruppen versammelt.

Zusammen seien in Molenbeek und auf der ungenehmigten Versammlung auf dem Börsenplatz etwa 100 Personen vorläufig festgenommen worden, hieß es. Zwei von ihnen wurden weiter festgehalten. Bei einem der Festgenommenen handelte es sich demnach um einen Kraftfahrer, der eine Polizeikette durchbrach und eine Passantin verletzte. 

Rund 400 Menschen versammelten sich in der Nähe des Bezirkshauses in Molenbeek, berichteten belgische Medien. Eine Gruppe von etwa 100 Personen machte sich auf den Weg in Richtung der Brüsseler Innenstadt, sie wurden von der Polizei abgedrängt. Es flogen Steine und Müllbehälter auf die Sicherheitskräfte, berichtete der Radiosender RTBF. Gegen Abend beruhigte sich die Lage.

Die Bürgermeisterin von Molenbeek, Françoise Schepmans, hatte das Demonstrationsverbot am Mittwoch damit begründet, dass Proteste zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen könnten. Der Aufruf zu der Kundgebung stammte von der rechtsextremen Gruppierung Génération Identitaire. Am Ostersonntag hatten im Stadtzentrum von Brüssel rund 300 Hooligans für Protest gesorgt, als sie auf dem Börsenplatz nationalistische Parolen verbreiteten.

Die Terroranschläge vom 22. März mit 32 Toten führen zu erheblichen Spannungen in der belgischen Hauptstadt. Im Fokus steht Molenbeek, bekannt als eine der ärmsten Gegenden Brüssels, in dem rund 95.000 Bewohner leben. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei rund 50 Prozent, der Anteil der muslimischen Bevölkerung knapp unter 40 Prozent. Einige der Attentäter von den Paris-Anschlägen versteckten sich dort, unter anderem Salah Abdeslam.

Der Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch, hat derweil die massiven Sicherheitspannen vor und nach den Anschlägen von Brüssel kritisiert. Polizei, Justiz und Geheimdienste in Belgien hätten nicht genug miteinander geredet, sagte Paasch dem Deutschlandfunk. "Das ist sträflich und darf nicht noch mal in Zukunft vorkommen." Zudem müsse viel mehr in die Integration investiert werden, um zu verhindern, dass Parallelgesellschaften wie im Brüsseler Stadtteil Molenbeek entstünden.