Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko ist nach ihrer Verurteilung zu 22 Jahren Haft in Russland in einen Hungerstreik getreten. "Sie trinkt nicht", sagte ihr Anwalt Mark Feigin der Nachrichtenagentur AFP und  veröffentlichte zugleich auf Facebook einen Brief der Inhaftierten, indem sie ihre "sofortige Rückkehr in die Ukraine" forderte.

Die 34 Jahre alte Sawtschenko hatte angekündigt, sowohl das Essen als auch das Trinken zu verweigern, sobald der Beginn ihrer 22-jährigen Haftstrafe offiziell bestätigt ist. Dies war am Dienstag durch ein Gericht im Südwesten Russlands erfolgt. Unterstützer und Menschenrechtsorganisationen zeigten sich besorgt, allen voran, weil die Ukrainierin auch nichts mehr trinken will. So können Menschen zwar mehrere Wochen lang ohne Essen auskommen, ohne Wasser aber nur wenige Tage überleben.

Die Hubschrauberpilotin war am 22. März von einem russischen Gericht wegen eines tödlichen Angriffs auf zwei russische Journalisten in der Ostukraine zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Sie wurde für schuldig befunden, im Sommer 2014 der ukrainischen Armee den Aufenthaltsort der Reporter mitgeteilt zu haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden.

Die Pilotin, die in einem Freiwilligen-Bataillon gegen die prorussischen Rebellen kämpfte, weist sämtliche gegen sie erhobenen Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Aus Protest gegen ihre Inhaftierung und die Anklage war sie bereits von Dezember 2014 bis März 2015 mehr als 80 Tage in einen Hungerstreik getreten, Anfang März 2015 stellte sie erneut für sieben Tage das Essen und Trinken ein.

Die Ukraine bemüht sich seit ihrer Verurteilung um einen Gefangenenaustausch. Bereits während des Prozesses sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, er sei bereit, zwei mutmaßliche russische Geheimdienstagenten, die derzeit in Kiew vor Gericht stehen, gegen Sawtschenko auszutauschen. Aus dem Kreml indes hieß es am Dienstag, dass es noch keine Entscheidung über das Schicksal der Pilotin gebe.