Die Stadt Genf hat Forderungen der Türkei abgelehnt, ein Bild aus einer Open-Air-Ausstellung zu entfernen, das sich kritisch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auseinandersetzt. Das Bild werde weiter auf dem zentralen Platz vor dem europäischen Sitz der Vereinten Nationen gezeigt, sagte der Genfer Stadtrat Guillaume Barazzone dem Schweizer Fernsehen SRF. "Genf und die Schweiz stehen für die Freiheit der Meinungsäußerung ein." Alle Fotos könnten wie geplant bis zum 1. Mai gezeigt werden.

Das türkische Konsulat in Genf hatte die Entfernung verlangt. Nach der Entscheidung der Stadt erklärte das Generalkonsulat, es respektiere die "Meinungsfreiheit des Künstlers" Demir Sönmez. Das Bild habe aber die türkische Gemeinde in der Schweizer Stadt verärgert und behandele Erdoğan auf eine "ungerechte und realitätsfremde Weise".

Auf dem Bild des Fotografen Demir Sönmez ist ein Transparent zu sehen, das Erdoğan für den Tod eines Jugendlichen bei einer Protestaktion in Istanbul verantwortlich macht. "Ich heiße Berkin Elvan, die Polizei hat mich auf Anordnung des türkischen Ministerpräsidenten getötet", heißt es auf dem Banner. Das Foto stammt von 2014, Ministerpräsident war damals der heutige Präsident Erdoğan.

Elvan war im Sommer 2013 am Rande der Gezi-Proteste in Istanbul von einer Tränengaskartusche am Kopf verletzt worden. Seine Eltern sagen, Berkin sei nur zum Brot holen aus dem Haus gegangen. Er starb nach monatelangem Koma im Alter von 15 Jahren.

Der Künstler Sönmez ist kurdisch-armenischer Abstammung und lebt seit 1980 in der Schweiz. Sein Foto ist Teil der Ausstellung Place des Nations / Place des Peuples und wird dort seit dem 15. April ausgestellt. Insgesamt werden 58 Werke des Künstlers gezeigt.