Mit verächtlichen Worten hat sich der belgische Anwalt des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam über seinen Mandanten geäußert. "Das ist ein kleiner Vollidiot aus Molenbeek, er entstammt der Kleinkriminalität, ist eher Mitläufer als Anführer", sagte Sven Mary der französischen Tageszeitung Libération. "Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers und ist von einer abgrundtiefen Leere."

"Er ist das perfekte Beispiel der Generation GTA (Grand Theft Auto), die glaubt, in einem Videospiel zu leben", sagte Mary zeitgleich zur Auslieferung Abdeslams nach Frankreich. Der 26-Jährige habe ihm gesagt, seine Kenntnisse über den Koran stammten aus dem Internet. "Für einfache Gemüter ist das perfekt, das Internet ist das Maximale, was sie verstehen."

Mary hatte Abdeslams Verteidigung nach dessen Festnahme am 18. März im Brüsseler Problemviertel Molenbeek übernommen. Der Zeitung sagte er, er wisse nicht, ob er das Mandat nach der Auslieferung behalten werde. Die Verteidigung Abdeslams habe ihm "nur Ärger eingebracht": "Ich bin mehrfach verbal oder körperlich angegriffen worden." Die Polizei habe seine Töchter mehrmals zur Schule begleiten müssen.

Isolationshaft unter schärfster Bewachung

Salah Abdeslam war am Morgen von einer Spezialeinheit bewacht nach Paris gebracht und im Justizpalast einem auf Terrorismus spezialisierten Richter vorgeführt worden. Dabei habe er angekündigt, später auszusagen, sagte sein französischer Anwalt Frank Berton. Ein erster Termin für eine ausführliche Anhörung sei für den 20. Mai angesetzt worden.

Aus dem Justizpalast wurde der 26-Jährige seinem Anwalt zufolge ins Gefängnis Fleury-Mérogis südlich von Paris gebracht und dort in Untersuchungshaft genommen. Laut Justizminister Jean-Jacques Urvoas erwartet ihn dort Isolationshaft unter schärfster Bewachung.

Abdeslam wird verdächtigt, an den Pariser Terroranschlägen vom 13. November beteiligt gewesen zu sein, bei denen sieben Selbstmordattentäter – darunter auch Abdeslams Bruder Brahim – 130 Menschen getötet hatten.

Die Pariser Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sich im Stade de France in die Luft sprengen wollte, die Tat aber nicht durchführte. Auf diese Theorie deutet auch die Tatsache hin, dass ein Sprengstoffgürtel mit seinen Fingerabdrücken nach den Anschlägen südlich von Paris gefunden wurde. Er selbst soll in der Nacht der Attentate Freunde in Brüssel angerufen haben, die ihn dann in Paris mit dem Auto abholten.

Bei dieser Fahrt wurde der Wagen an der Grenze gestoppt, die Polizei ließ die Gruppe aber weiterfahren. Vier Monate lang war Abdeslam danach auf der Flucht. Am 15. März entkam er der Polizei noch einmal, wurde schließlich aber drei Tage später in Brüssel gefasst und inhaftiert. Vier Tage später töteten Selbstmordattentäter in Brüssel am Flughafen und an einer Metrostation 32 Menschen. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Terrorplanern von Brüssel und Paris. Abdeslam war in Belgien deshalb auch wegen möglicher Verbindungen zu den Brüsseler Attentätern verhört worden.

Abdeslam lebte wie viele der Pariser Attentäter im Brüsseler Problemviertel Molenbeek und war nach Darstellung der Behörden seit seiner Kindheit mit dem später getöteten mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, befreundet.