Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Flugzeugabsturz.

Die vermisste Passagiermaschine MS804 der Fluggesellschaft EgyptAir ist über dem Mittelmeer abgestürzt – davon sind französische und griechische Behörden mittlerweile überzeugt. Rund um die Absturzstelle sind seit Stunden Suchtrupps im Einsatz, auch mehrere Frachtschiffe sind an der Suche beteiligt. Das griechische Militär teilte am Nachmittag mit, eine ägyptische Maschine habe südöstlich von Kreta zwei an der Meeresoberfläche treibende orangefarbene Gegenstände entdeckt. Das griechische Fernsehen zeigte außerdem große rot-weiße Plastikteile. Sie seien in der Gegend gefunden worden, wo zuvor ein Transpondersignal gesendet worden sei, hieß es. EgyptAir hatte erklärt, die Maschine habe einige Zeit nach dem Verschwinden vom Radarschirm ein solches Signal gesendet. Der Sender ist am Flugzeug befestigt und soll die Ortung erleichtern.

Die Fluggesellschaft widersprach am Abend griechischen Medienberichten. "EgyptAir hat die zuständigen Behörden in Griechenland kontaktiert. Sie konnten diese Information nicht bestätigen", teilte die Airline mit.

Der französische Präsident François Hollande hatte zuvor erklärt, das Flugzeug sei verloren und im Meer versunken. Die Ursache sei jedoch völlig offen, er wolle nichts ausschließen. "Wenn wir die Wahrheit kennen, ob es sich um einen Unfall handelt oder eine andere Hypothese, werden wir daraus die Konsequenzen ziehen." Viele denken an einen terroristischen Anschlag, es könne aber auch ein Unfall nicht ausgeschlossen werden, so Hollande. Ähnlich argumentierte der ägyptische Luftfahrtminister Scherif Fathi.

Nach Angaben des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos geriet die Maschine über dem Mittelmeer ins Trudeln. Rund 240 Kilometer vor der griechischen Insel Karpathos sei sie ins Mittelmeer gestürzt, so griechische Behörden. Demnach war das Flugzeug um 2.39 Uhr im griechischen Luftraum südlich und südöstlich von Kassos und Karpathos unterwegs gewesen. Kurz nachdem es in einer Höhe von gut 11.000 Metern in den ägyptischen Luftraum eingeflogen sei, sei es in Kurven niedergegangen: Erst 90 Grad nach links, dann 360 Grad nach rechts, sagt Kammenos.

Egypt Air - Die Route von Flug MS804 Das vermisste ägyptische Passagierflugzeug ist Informationen der Regierung in Kairo zufolge abgestürzt. Die Ursache ist noch ungeklärt.

Die ägyptische Luftfahrtbehörde hatte bereits am Morgen erklärt, der Airbus sei auf keinem der nahe gelegenen Flughäfen gelandet, daher könne "die Möglichkeit, dass das Flugzeug abgestürzt ist, bestätigt werden". Der Airbus A320 war am späten Mittwochabend von Paris nach Kairo gestartet und laut EgyptAir gegen 2.45 Uhr vom Radar verschwunden.

Pilot verabschiedete sich gut gelaunt

Nach Angaben der griechischen zivilen Luftfahrtbehörde hatten sich die Piloten zuletzt gemeldet, als sie die Insel Kea nahe Athen überflogen. Dabei hätten sie keine Probleme erwähnt. Gegen 1.48 Uhr habe sich der Pilot noch gut gelaunt verabschiedet und auf Griechisch bei den Controllern bedankt, sagte Kammenos. Anders als üblich hätte die Maschine aber beim Verlassen des griechischen Flugkontrollraums etwa 45 Minuten später kein Signal mehr abgesetzt, hieß es von der griechischen Luftfahrtbehörde. Auch der Pilot habe nicht mehr auf Nachfragen reagiert. Ein Notsignal habe die Maschine entgegen erster Berichte nicht abgesetzt, teilte die ägyptische Regierung mit.

Die Maschine war vor dem Unglücksflug zwischen Paris und Kairo nach Tunesien und Eritrea geflogen, sagte Ägyptens Luftfahrtminister Fathi. Auf der Website Flightradar24 ist außerdem ein vorheriger Flug von Asmara, der Hauptstadt Eritreas, nach Kairo am frühen Mittwochmorgen aufgeführt. Auch die letzte Flugroute ist auf dieser Internetseite verzeichnet – bis zum Abbruch der Kommunikation. Demnach endet die Route abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland. Nach Angaben von EgyptAir war das Flugzeug gerade etwa 16 Kilometer in den ägyptischen Luftraum vorgedrungen, als der Kontakt abriss.

An Bord waren 66 Menschen. Die meisten stammen aus Ägypten und Frankreich, Deutsche waren laut EgyptAir nicht im Flugzeug. An der Suche nach dem Flugzeug beteiligt sich auch Griechenland. Frankreich kündigte an, ebenfalls Flugzeuge und Boote in die Region ins Mittelmeer zu entsenden.

Egyptair Flug 804

Bekannter Verlauf des Fluges von Paris mit Ziel Kairo

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi rief den nationalen Sicherheitsrat zusammen und richtete einen Krisenstab ein. Ein Anschlag könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Regierung mit. Frankreichs Außenminister Ayrault vereinbarte in einem Telefonat mit seinem ägyptischen Amtskollegen eine enge Zusammenarbeit bei der Betreuung der Angehörigen. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurde nach französischen Regierungsangaben ein Krisenzentrum für die Familien der Passagiere eingerichtet.

Der frühere Chef der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA, Jean-Paul Troadec, schätzte die Wahrscheinlichkeit eines technischen Versagens bei Europe1 als nicht sehr hoch ein. Wenn es kein Notsignal gegeben habe, müsse sich etwas sehr Plötzliches ereignet haben. Auch die Wetterbedingungen seien gut gewesen. Wahrscheinlicher sei die Explosion einer Bombe oder ein Selbstmordattentat an Bord. Aber auch ein Raketenbeschuss könne nicht ausgeschlossen werden. 

Die Maschine vom Typ A320 war nach Angaben des Herstellers Airbus seit 2003 im Einsatz; sie habe etwa 48.000 Flugstunden hinter sich. Man sei in Sorge um alle Betroffenen, hieß es weiter.