Im Fall des Absturzes der EgyptAir-Maschine sorgen ägyptische Behörden mit widersprüchlichen Angaben für Verwirrung. Die Nachrichtenagentur AP hatte ägyptische Gerichtsmediziner mit der Einschätzung zitiert, wonach sich an Bord des Airbus eine Explosion ereignet haben müsse. Das hätten Analysen der geborgenen Leichenteile ergeben.

Doch dem widersprach der Chef der ägyptischen Forensik-Behörde, Hesham Abdel Hamid, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena und später auch Reuters berichteten. Es handle sich um bloße Vermutungen und sei viel zu früh, derartige Schlüsse zu ziehen. Derzeit untersuchen Rechtsmediziner die menschlichen Überreste und vergleichen die DNA mit Proben von Verwandten von Angehörigen.

Am Donnerstag war Flug MS804 auf dem Weg von Paris nach Kairo verschwunden. Die Ursache für den Absturz des Flugzeugs mit 66 Menschen an Bord ist bislang noch unklar. Derzeit laufen die Ermittlungen "in alle Richtungen", wie der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sissi bereits am Montag mitgeteilt hatte. Ägyptische Behörden hatten kurz nach dem Absturz erklärt, ein Terroranschlag sei wahrscheinlicher als ein technischer Defekt.

Experten hoffen auf die baldige Bergung des Flugschreibers, dessen Daten sie dann auf der Suche nach der Unglücksursache in den nächsten Wochen auswerten müssen. Nach der Blackbox sowie nach weiteren Überresten der Maschine wird nach wie vor im Mittelmeer zwischen dem ägyptischen Alexandria und der griechischen Insel Kreta gesucht. Am Montag schloss sich schließlich ein französisches Spezialschiff der Suche an. Es verfügt nach Angaben der Marine über ein spezielles Sonargerät, dass die Signale der Flugschreiber auffangen kann, die in 2.400 bis 3.000 Metern Tiefe vermutet werden.

Am Montag hatte die Luftfahrt-Internetseite Aviation Herald Störungsmeldungen der Maschine veröffentlicht, die in einem Zeitraum von drei Minuten gesendet worden seien. Darunter sind eine Rauchmeldung aus einer Toilette sowie aus dem Raum der Flugzeugelektronik, der sich unter dem Cockpit befindet. Die Daten gäben aber keinen Aufschluss über das Handeln der Piloten oder darüber, ob das Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen oder als Ganzes abgestürzt sei, sagten Flugexperten. Einer wies darauf hin, dass ein Feuer an Bord wahrscheinlich mehrere Störungsmeldungen oder Warnungen auslöse, eine plötzlich Explosion hätte ihm zufolge eher dazu geführt, dass gar keine Signale mehr gesendet worden wären. 

Derweil widerspricht die staatliche Luftverkehrsaufsicht Ägyptens früheren Angaben der griechischen Kollegen, wonach die Maschine vor ihrem Verschwinden ins Schlingern geraten und massiv an Höhe verloren habe. In den Minuten vor dem Absturz sei sie auf der normalen Höhe von 37.000 Fuß geflogen, sagte Behördenchef Ehab Asmy und fügte hinzu: "Es gab keine Wende nach rechts oder links." Das entkräfte das, "was die Griechen darüber sagen". So hatte der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos noch am Donnerstag erklärt, das Flugzeug sei getrudelt und auf 10.000 Fuß abgesackt, bevor der Kontakt abriss.

Für Ägypten ist es der dritte schwere Zwischenfall seit Oktober. Damals wurde ein russisches Passagierflugzeug kurz nach dem Start in Scharm el-Scheich zum Absturz gebracht, vermutlich durch eine Bombe der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Im März entführte ein Mann mit einer Bombenattrappe eine Maschine der EgyptAir nach Zypern.

Egypt Air - Die Route von Flug MS804 Das vermisste ägyptische Passagierflugzeug ist Informationen der Regierung in Kairo zufolge abgestürzt. Die Ursache ist noch ungeklärt.