Im Haus eines in der vergangenen Woche festgenommenen Paars im nordrhein-westfälischen Höxter ist eine weitere Frau getötet worden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Ralf Meyer handelt es sich dabei um eine 33-Jährige aus Niedersachsen, die am 1. August 2014 nach "schwersten körperlichen Misshandlungen" gestorben ist. Die Leiche hätten die mutmaßlichen Täter in eine Tiefkühltruhe gelegt, dann in Stücke zerteilt und in einem Kaminofen verbrannt.

Zudem gebe es Hinweise auf mehrere weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar verletzt überlebt hätten. So werde derzeit eine Frau im Großraum Berlin vernommen. Sie habe sich selbst bei den Ermittlern gemeldet, nachdem sie das Haus in Höxter in den Medien wiedererkannt hatte.

Das mutmaßliche Täterpaar, ein 46-Jähriger und eine 47-Jährige, waren am Mittwoch vergangener Woche festgenommen und am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt worden. Dieser erließ Haftbefehle wegen Totschlags. Dabei ging es um eine 41-jährige Frau aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim, die das Paar über Wochen in seinem Haus in Höxter gefangen gehalten und so lange misshandelt haben soll, bis sie gestorben war.

Dem beschuldigten Paar ging es bei der Misshandlung nach Überzeugung der Ermittler nicht um sexuelle Motive, sondern darum, "Macht auszuüben", sagte Oberstaatsanwalt Meyer. Die Opfer hätten mit dem Paar "im Prinzip" gemeinsam im Haus gelebt. Es habe keinen separaten Raum gegeben. Wenn die Frauen aber "aufsässig" geworden seien, seien sie etwa an Heizkörper oder in der Badewanne gefesselt worden – oft die ganze Nacht.

Die neuen Erkenntnisse der Ermittler stützen sich auch auf ein umfassendes Geständnis der beschuldigten Frau. Der beschuldigte Tatverdächtige habe die Taten abgestritten und alles auf seine Ex-Frau geschoben. Allerdings sei diese ihm "hörig" gewesen. Der 46-Jährige habe auch sie "massiv misshandelt". Die Befragungen, so der Leiter der Mordkommission, Ralf Östermann, hätten auch erfahrene Beamte "ziemlich mitgenommen". "Das waren Abgründe, die sich da auftaten."

Nach Angaben des Leiters der Mordkommission, Ralf Östermann, werde das gesamte Haus "quadratzentimeterweise" abgesucht, "um zu schauen, ob man Spuren anderer Frauen findet". Überhaupt stellen sich die Ermittler auf eine längere Spurensuche ein. Um das Gehöft wurden Sichtschutzwände aufgestellt, "damit in Ruhe gearbeitet werden kann", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Spurensicherung könne bis zu 15 Tage oder noch länger dauern.