Plötzlich ist es leer. Als die Polizei am Donnerstagvormittag Journalisten auch offiziell wieder ins Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze lässt, ist das Areal beinahe verlassen. Von den über 8.000 Menschen, die hier nach Behördenaussage noch Dienstagfrüh lagerten, sind nur noch einzelne übrig. Drei bis zehn Tage hatte die Polizei eigentlich für die Räumung angesetzt, aber nun scheint schon viel früher alles vorbei zu sein. Schon am Mittwochnachmittag konnte man leere Reisebusse aus Idomeni zurück nach Thessaloniki fahren sehen. Es gab einfach nicht mehr genug Passagiere. 

Wie ein Polizeisprecher ZEIT ONLINE sagte, wurden über 3.500 Menschen aus dem Camp in die vom Militär betreuten Lager in Thessaloniki gebracht. Selbst wenn man die Zahl der noch Verbliebenen mit einigen Hundert ansetzt, was sehr hoch scheint, hieße das: Ungefähr 4.000 Menschen, jeder Zweite also, hat das Camp auf eigene Faust verlassen

Wo sind sie hin?

Idomeni war ein inoffizielles Camp. Kein Zaun umfasst das Gelände, es gibt keinen zentralen Ein- und Ausgang. Deshalb kann jeder, der will, einfach gehen, ohne dass die Polizei das mitbekommen muss. Schon am Montagabend kursierten erste Berichte, dass vor allem die Männer aus Algerien, Tunesien und Marokko sich in den Wald geflüchtet haben. Sie galten als der harte Kern derjenigen, die auch die Auseinandersetzung mit der Polizei nicht scheuen, die sich mit ihr Kämpfe geliefert haben und versuchten, die Grenze zu durchbrechen. 

Viele andere sind einfach umgezogen. Schon in den vergangenen Monaten hatten sich an den Tankstellen und Hotels an der Autobahn nach Thessaloniki Lager gebildet. Klein erst und dann immer größer. Die Infrastruktur zieht die Menschen an: Toiletten, Wasser, Strom, manchmal sogar Internet. Manche Betreiber haben daraus ein rentables Geschäft gemacht und lassen die Flüchtlinge ordentlich zahlen, für die Duschen beispielsweise. 

Diese Lager sind nun weiter gewachsen seit Beginn der Räumung. Man kann das gut an den Tankstellen am Hotel Hara sehen, das kurz vor der Abfahrt nach Idomeni liegt. Der Parkplatz vor der verwaisten BP-Tankstelle war noch am Dienstagmorgen leer. Am Mittwochabend stehen dort schon zwei Dutzend Zelte.