Bildung ist entscheidend für die Integration von Einwanderern und Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft. Das geht aus einer Studie des Statistischen Bundesamts hervor. In ihrem Datenreport 2016, einem "Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland", haben Statistiker und Sozialforscher vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zusammen mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und der Bundeszentrale für politische Bildung ein umfassendes Bild der Migrantengruppen hierzulande zusammengetragen.

So sind Zuwanderer in Deutschland geringer gebildet und seltener erwerbstätig als Menschen ohne Migrationshintergrund. Sie verdienen weniger als diese und sind eher von Armut bedroht. Sie sind mit 35,4 Jahren im Durchschnitt auch deutlich jünger als die Menschen ohne Migrationshintergrund (46,8 Jahre).

Als zentrale Aussage ihres Reports formulieren die Forscher: Ohne Bildung keine erfolgreiche Integration. Diese These untermauern die Forscher mit einer Reihe von Zahlen. 2014 etwa waren 65 Prozent der 15- bis 64-Jährigen mit Migrationshintergrund erwerbstätig – elf Prozent weniger als in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Folglich war auch der Anteil der Erwerbslosen bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (sieben Prozent) deutlich höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (vier Prozent). Besonders groß sind die Unterschiede bei den Frauen: Insgesamt standen 37 Prozent aller Frauen mit Migrationshintergrund dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Bei den Frauen ohne Migrationshintergrund waren es 24 Prozent.

Bessere Bildungsangebote, weniger Theorie

Die Bedeutung von Bildung und Ausbildung zeigt sich demnach auch beim Einkommen: So verdienten Zuwanderer 2014 mit niedrigem Bildungsabschluss 272 Euro weniger als jene mit mittlerem Abschluss, diese wiederum 683 Euro weniger als solche mit hohem Abschluss.

Die Studienautoren fordern deshalb, bessere Zugänge und Strukturen für Bildungsangebote für Migranten zu schaffen. "Der Einfluss der Bildung zieht sich durch alle Lebensphasen", sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger. Umso wichtiger sei es mit Blick auf die hohe Zahl an Flüchtlingen, den Fokus verstärkt auf Bildung und Weiterbildung zu legen. Das deutsche Bildungssystem sei weiterhin zu intransparent.

Für eine entsprechende Bildungsreform plädiert auch der sogenannte Aktionsrat Bildung, ein Verbund von Bildungsforscher um Dieter Lenzen, dem Präsidenten der Universität Hamburg. Demnach sind etwa niedrigere Standards in der Berufsausbildung für Flüchtlinge hilfreich. In ihrem neuen Jahresgutachten plädieren die Experten für "theorieentlastete zweijährige Ausbildungsberufe" und Teilqualifizierungen, um jungen Flüchtlingen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Außerdem fordern die Wissenschaftler eine Berufsschulpflicht vom 16. bis zum 21. Lebensjahr.

Erstmals Daten über ältere Migranten

Die Statistiker aus Wiesbaden wiederum präsentieren in ihrem Datenreport erstmals auch Zahlen über die Lebenssituation älterer Migranten. Demnach waren 2013 etwa 4,1 Millionen von ihnen mindestens 50 Jahre alt. Die Lebensverhältnisse dieser Generation 50 plus sind stark durch ihre Bildungs- und Ausbildungsbiografien geprägt. Unter den älteren Migranten aus ehemaligen Gastarbeiterländern hatten fast zwei Drittel keinen berufsqualifizierenden Abschluss, nur die Hälfte von ihnen geht noch einer Beschäftigung nach. Über ein Viertel bezieht bereits eine Rente, meist aufgrund von Erwerbsunfähigkeit. Entsprechend hoch ist die Armutsquote: Knapp ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen und gut ein Drittel der über 65-Jährigen sind armutsgefährdet. Damit ist ihr Armutsrisiko deutlich höher als das der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Auch sonst sind Migranten häufiger von Armut betroffen. So überraschte es die Forscher nicht, dass sie ihren Lebensstandard und ihr Haushaltseinkommen schlechter bewerten als Menschen ohne Migrationshintergrund. Fragt man Migranten jedoch nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Leben im Allgemeinen, sind sie nicht überdurchschnittlich unzufrieden. Im Gegenteil: Sie sind sogar etwas zufriedener als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und blicken optimistischer in die Zukunft. Ihre Lebenszufriedenheit in fünf Jahren schätzen sie sogar deutlich besser ein als Menschen ohne Migrationshintergrund. "Die Menschen mit Migrationshintergrund vergleichen ihr Leben auch mit dem der Menschen in ihrer Heimat, da geht es ihnen oftmals vergleichsweise gut", sagte die Sozialforscherin Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum.