Gegen mehrere Mitglieder der mittlerweile verbotenen Neonazi-Gruppe Sturm 18 hat das Landgericht Kassel Urteile gesprochen. Der mutmaßliche Anführer der Organisation, Bernd T., wurde wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Anstiftung zur Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 41-jährige habe seine "Rechtsfeindlichkeit deutlich gezeigt", sagte der Vorsitzende Richter. 

Nach Überzeugung der Kammer hatte T. unter anderem einen jungen Mann in eine Wohnung drängen und schlagen lassen, damit dieser Mitglied des von T. initiierten Vereins Sturm 18 bleibt. T. habe vor allem Leute gefunden, die alkoholkrank sind oder keinen anderen Halt im Leben hatten, sagte der Richter. "Einen jungen Mann, der sich den Verstand noch nicht weggesoffen hat, kann man gut gebrauchen", sagte er mit Blick auf den austrittswilligen Mann, der misshandelt wurde.

Fünf Mitangeklagte von T. erhielten Geldstrafen in Höhe von 150 Tagessätzen zu 10 Euro sowie Haftstrafen von bis zu 20 Monaten ohne Bewährung. Sie wurden unter anderem schuldig gesprochen, gegen einen weiteren Mann gewalttätig geworden zu sein. Sie traten ihm die Schienbeine blutig und schoren ihm gegen seinen Willen eine Glatze. Die Angeklagten hätten Spaß daran gehabt, das Opfer zusammenzuschlagen, hieß es vom Gericht.

T.s Verteidiger hatte gefordert, ihn lediglich wegen Fahrens ohne Führerschein zu verurteilen und kündigte an, eine Revision zu prüfen. T. hat mehr als 20 Vorstrafen und sitzt derzeit eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren wegen Körperverletzung ab.

Der Richter in Kassel legte Wert darauf, dass es sich nicht um ein politisches Urteil handele. "Einzelne Taten hatten mit Sturm 18 zu tun und hatten einen politischen Hintergrund."

Der hessische Innenminister hatte die rechtsextreme Organisation im Herbst vergangenen Jahres verboten. Im Vereinsnamen wird der Bezug zum Nationalsozialismus deutlich. Die Zahl 18 steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet und damit für die Initialen Adolf Hitlers.