Nicht nur die AfD ist auf dem Katholikentag nicht willkommen. Zu Beginn des fünftägigen Treffens in Leipzig stellte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, klar, dass Nationalisten jedweder Art nicht erwünscht seien. Von der international geprägten Stadt Leipzig solle ein starkes Zeichen ausgehen: "Ein Signal der Offenheit und der Toleranz gegen jedem dumpfen Nationalismus."

Sternberg betonte die Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Für Christen sei die Würde aller Menschen nicht verhandelbar: "Deshalb können wir nicht wegsehen, dürfen wir nicht vorübergehen, wo andere unsere Solidarität brauchen. Und wenn Menschen Sicherheit vor Verfolgung und Not nur in unserem Land finden können, dann sind sie hier herzlich willkommen!" 

Das Treffen steht unter dem Motto "Seht, da ist der Mensch!" Die Veranstalter erwarten 32.000 Dauerteilnehmer und mehrere Zehntausend Tagesgäste. Eröffnet wurde der Katholikentag am Abend mit einem Fest, an dem auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnahm. Er rief alle Teilnehmer auf dem Marktplatz dazu auf, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: "Geschichte kann sich auch in eine gute Richtung entwickeln, nämlich in Richtung Verständnis, Toleranz, Versöhnung. Inmitten all der meist schlimmen oder bedrohlichen Nachrichten der jüngsten Zeit sollten wir das nicht vergessen."

Papst Franziskus sandte eine Videobotschaft an die Teilnehmer. Er forderte, "der Stimme der Armen und Zerschlagenen immer mehr Raum" zu geben. In der auf Deutsch gehaltenen Rede kritisierte er: "Wir sehen, wie Menschen bloßgestellt, hin und her gestoßen und ihrer Würde beraubt werden, weil sie keine Arbeit haben oder weil sie Flüchtlinge sind."

Christen sollten selbstbewusster agieren

Altbundespräsident Christian Wulff kritisierte die fremden- und islamfeindliche Pegida-Bewegung und deren Ableger. "Wohin sind wir eigentlich gekommen?", fragte er. "Es gibt wirklich Menschen in diesem Lande, die für sich der Meinung sind, das christliche Abendland zu verteidigen, aber die Bibel überhaupt nicht kennen. Und es gibt Menschen, die montags die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigen, aber niemals da hineingeschaut haben können." Montag ist der Aufmarschtag von Pegida in Dresden.

Gauck empfiehl gläubigen Menschen Fußballstar Mesut Özil als Vorbild. "Christen sollten mehr und selbstbewusster über ihren Glauben reden, vielleicht kann Mesut Özil da zum Vorbild werden", sagte Wulff. Özil habe im Internet Bilder vom Pilgern und Beten aus Mekka gepostet und damit in wenigen Stunden mehr als zwei Millionen Klicks erzeugt.

Özil war am letzten Wochenende nach Mekka gepilgert und hatte in den sozialen Netzwerken ein Foto veröffentlicht, das ihn in traditioneller Kleidung vor der Kaaba zeigt, dem quadratischen Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee. Er wünsche sich, so Wulff, dass auch der eine oder andere Christ unter den deutschen Kickern "mal was von seinem christlichen Glauben erzählt, ohne vorher hin und her zu überlegen, wie das bei wem wohl ankommen könnte".