In Libyen breitet sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) dokumentiert in einem aktuellen Bericht anhand von Augenzeugenberichten die Gräueltaten der Terrormiliz in der Küstenstadt Sirte. Die Verbrechen reichten bis Februar 2015 zurück und umfassten Enthauptungen Dutzender Bewohner, denen die Extremisten vorgeworfen hätten, Spione zu sein. Anderen Opfern seien Hexerei oder Gotteslästerung vorgeworfen worden. Zudem habe es Vorfälle von Kreuzigungen und Auspeitschung von Männern gegeben – zur Bestrafung für Aktionen wie Rauchen oder Musik hören.

Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf Syrien und den Irak konzentriere, komme der IS "in Libyen mit Mord davon", sagte Terrorismusforscherin Letta Tayler von HRW. Der IS soll außerdem Nahrungsmittel, Medikamente, Brennstoff und Geld bevorzugt an seine Mitglieder verteilen, während er die anderen Einwohner Sirtes knapp hält.

Sirte ist die Geburtsstadt des im Oktober 2011 getöteten Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi. Seit dessen Sturz ist Libyen nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Terrormiliz hat das Machtvakuum und Chaos ausgenutzt, um sich immer weiter auszubreiten. Die Dschihadisten kontrollieren einen mehrere Hundert Kilometer langen Küstenstreifen um Sirte. Die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen wird auf 5.000 geschätzt.

Am Montag hatten die Vereinten Nationen beschlossen, ihr seit fünf Jahren bestehendes Waffenembargo gegen Libyen aufzuheben, um das Land so im Kampf gegen die Terrormiliz zu unterstützen.