Nach einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Zwickau in Sachsen ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen versuchten Mordes. Der Vorwurf sei hochgestuft worden, sagte eine Sprecherin und bestätigte einen Bericht der Freien Presse. "Wir haben die Mordmerkmale Heimtücke, niedrige Beweggründe und die Verwendung gemeingefährlicher Mittel gegeben", zitierte die Zeitung eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau.

Zunächst hatte das für extremistische Taten zuständige Operative Abwehrzentrum der Polizei wegen versuchter schwerer Brandstiftung ermittelt. 

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag mehrere Brandsätze auf das Grundstück geworfen. Zu der Zeit waren 15 Asylbewerber in dem Haus. Beim Verlassen des Gebäudes verletzte sich ein 36-Jähriger an der Hand, weil er ausrutschte. 

Ein Asylbewerber hatte das Feuer gelöscht. Nach Angaben des Leiters der Unterkunft entstand durch Ruß etwa 300 Euro Sachschaden in dem Haus. Ob die Täter die Brandsätze von der Straße her warfen, oder ob sie auf das Gelände vordrangen, ist unklar. Die Bewohner können das Haus auch weiter nutzen.

Die Täter sind bei solchen Anschlägen schwer zu ermitteln, weil die Asylbewerberunterkünfte – wie hier in Zwickau auch – oft an abgelegenen Straßen liegen. Hier gibt es meist keine Zeugen. Zudem fehlt eine Beziehung von den Tätern zu den Angegriffenen, was die Ermittlungen erschwert. Entsprechend niedrig ist die Aufklärungsquote. Nach bundesweit 222 Angriffen im Jahr 2015 wurden bis Ende November nur 41 Tatverdächtige ermittelt, wie eine Recherche von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT ergeben hatte. Weiterhin zu beobachten war, dass Polizei und Justiz oft  nur wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung oder Körperverletzung ermitteln, obwohl die Täter den Tod der Bewohner zumindest billigend in Kauf nehmen. Auch messen die Ermittler oft der politischen Orientierung der Beschuldigten kaum Bedeutung bei. 

Erst im Fall der Sprengstoffanschläge von Freital änderte sich das, als im Frühjahr die Bundesanwaltschaft die Fälle an sich zog und neben den drei bisher Inhaftierten fünf weitere Tatverdächtige verhaftete. Die Bundesanwälte ermitteln wegen Terrorverdachts. Auch bei dem Fall in Zwickau hat die Justiz den Tatverdacht nun verschärft.