Während eines Dorffestes im sächsischen Colmnitz sind einige Teilnehmer eines Festumzugs am Sonntag als Wehrmachtssoldaten verkleidet gewesen. Sie präsentierten an ihren Kostümen Hakenkreuze und andere nationalsozialistische Abzeichen. Andere zeigten sich in Fahrzeugen in Tarnfarben, die mit Maschinengewehrattrappen versehen waren. Nach einem Bericht der Leipziger Internet-Zeitung unter Berufung auf den Fotografen Marcus Fischer, der das Geschehen festgehalten hat, störte sich niemand an dem Auftritt.

"Manche der Schaulustigen haben die Militaria-Fans eher bejubelt und beklatscht", zitiert Spiegel Online den Fotografen. Stattdessen hätten ihn einige halb spöttisch, halb verächtlich als Vertreter der "Lügenpresse" beschimpft. Vom zuständigen Veranstalter des Dorffestes, dem Heimatverein Colmnitz e.V., gab es bislang keine Stellungnahme. Der Festumzug fand im Rahmen der mehrtägigen Feierlichkeiten zur Ersterwähnung der Gemeinde im Jahr 1346 statt.

Der bekannteste Bewohner des Ortes ist Horst Böhme, ein SS-Obersturmführer. Er war ein enger Mitarbeiter von Reinhard Heydrich, dem Chef des SS-Sicherheitsdiensts, wurde 1939 zum Sicherheitschef der Polizei in Prag und war in der Folge an der Deportation von jüdischen Studenten beteiligt.

"So geht sächsische Heimatliebe", kommentierte die Leipziger Internet-Zeitung. "Ein bisschen Waffen spazieren fahren, Hakenkreuze zeigen und augenzwinkernd an die Nazi-Zeit erinnern." Offiziell gefeiert wurden laut Veranstaltungshinweis des Vereins indes 850 Jahre Kirche, 110 Jahre Freiwillige Feuerwehr, 110 Jahre Rassegeflügelzuchtverein Colmnitz, 110 Jahre Rassekaninchenzüchterverein.