Der Fall hatte in der Schweiz große Aufmerksamkeit erregt: Zwei syrische Brüder hatten sich geweigert, ihrer Lehrerin an der Sekundarschule in Therwil die Hand zu geben. Der Islam verbiete ihnen körperlichen Kontakt zu Frauen außerhalb der Familie, hatten die Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren argumentiert. Die Schule hatte ihnen daraufhin eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die jetzt von der Schulbehörde des Kantons Basel-Land aufgehoben wurde.

Das Verweigern des Händedrucks gegenüber weiblichen Lehrpersonen falle zwar in den Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit, doch die Pflicht zum Händedruck sei zulässig, entschied die Schulbehörde des Kantons. Das öffentliche Interesse bezüglich der Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Integration von Ausländern überwiege die Glaubensfreiheit "erheblich", hieß es in der Entscheidung. Weiter werde der muslimische Glaube nicht in seinen zentralen Teilen berührt, wenn der Handschlag verlangt werde. "Der Händedruck kann durch eine Lehrperson folglich eingefordert werden."

Die Schulbehörde beließ es nicht nur bei einer Ermahnung. Sollten sich die Schüler weiterhin verweigern, könnten die Sanktionsmöglichkeiten des Bildungsgesetzes zur Anwendung kommen. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass den Erziehungsberechtigten eine Strafe von bis zu 5.000 Franken (4.500 Euro) auferlegt werden kann.

Die betroffene Schule begrüßte die Entscheidung der Behörde. Sie habe nun "Klarheit für das weitere Vorgehen". Der Entscheid sei der Familie bereits mitgeteilt worden. Man werde den Handschlag bei den Schülern nun wieder einfordern.

Der Fall hatte in der Schweiz eine lebhafte Debatte ausgelöst, an der sich führende Politiker beteiligt hatten. Justizministerin Simonetta Sommaruga etwa hatte die Entscheidung der Schule öffentlich kritisiert und erklärt, dass Händeschütteln Teil der schweizerischen Kultur sei.

Auch für die betroffene Familie aus Syrien gibt es Konsequenzen: Der Vater der beiden Schüler, ein muslimischer Imam, war 2001 in die Schweiz eingewandert. Die dortigen Behörden gaben im vergangenen Monat bekannt, das Einbürgerungsverfahren für die Familie sei auf Eis gelegt.

Am Mittwoch teilte die Schulbehörde zudem mit, dass ein Mitglied der Familie wegen Gewaltverherrlichung in sozialen Medien verwarnt worden sei. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt hierzu, einer der Jungen habe auf Facebook IS-freundliche Posts veröffentlicht. Die Einträge seien strafrechtlich allerdings nicht relevant.