Nach einem Sprengstoffanschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen hat die Polizei einen dritten Verdächtigen festgenommen. Der Zugriff sei am Abend durch Spezialkräfte am Hauptbahnhof erfolgt, teilte ein Polizeisprecher mit. Der Tatverdacht gegen den Jugendlichen habe sich im Zuge der Ermittlungen erhärtet. Das Amtsgericht Essen habe Haftbefehl erlassen.

Bei dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus im April waren drei Menschen verletzt worden. Wenige Tage später hatte die Polizei zwei 16-Jährige festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. 

Zwar verneinten die beiden nach Angaben des NRW-Innenministeriums einen religiösen Hintergrund der Tat und gaben als Motiv "Spaß am Böllerbauen" an. Einer der beiden soll sich jedoch in der Schule positiv über den "Islamischen Staat" geäußert haben. Dieser aus Gelsenkirchen stammende Verdächtige soll demnach auch die Terroranschläge vom November in Paris befürwortet haben. Einer jüdischen Mitschülerin drohte er den Angaben zufolge an, ihr das Genick zu brechen. Der aus Essen stammende zweite Tatverdächtige war den Behörden zufolge bereits vor dem Anschlag wegen Körperverletzung und Einbruchsdiebstahls bekannt. Er soll unter anderem auf seinem Facebook-Profil dschihadistische Symbole verwendet haben.

Nach Informationen der Welt wurde auch ein Begleiter in Gewahrsam genommen. Dabei soll es sich um den 17-jährigen Tolga I. handeln, der der Beihilfe zu versuchtem Mord verdächtig ist. Ob der Generalbundesanwalt wegen des Falls ermittelt, sei noch nicht klar.

Die Karlsruher Ermittler prüften bisher, ob sie die Ermittlungen übernehmen. Das wäre der Fall, wenn mindestens drei Personen an dem Terroranschlag beteiligt waren. Dann ginge es um den Vorwurf einer terroristischen Vereinigung. Die Ermittler in Essen hingegen gingen von einer religiös motivierten Tat mit Hintermännern aus. Die Polizei sah "Bezüge zur islamistischen Terrorszene". Nach Recherchen des WDR sind die beiden Jugendlichen Teil einer sogar zwölfköpfigen Gruppe.