Im Streit um das sogenannte Toiletten-Gesetz hat die Regierung von Präsident Barack Obama Schulen und Unis angewiesen, Transgender-Schüler die Toiletten nutzen lassen, die "ihrer geschlechtlichen Identität entsprechen". Anderenfalls drohten Streichungen von Bundesgeldern, teilte die US-Regierung in einem Brief an die Bildungseinrichtungen mit. So solle sichergestellt werden, dass die Schule für alle Schüler ein Ort frei von sexueller Diskriminierung ist. 

Nach Fällen in Chicago und Virginia hatte das US-Justizministerium wegen des umstrittenen Gesetzes gegen den Staat North Carolina geklagt. Das Gesetz zwingt Transgender in dem Staat bislang dazu, in öffentlichen Gebäuden jene Toiletten zu benutzen, die dem in der Geburtsurkunde eingetragenen Geschlecht entsprechen. 

Die Obama-Regierung beruft sich nun auf ein Gesetz von 1972, das Bundesgelder für diejenigen Schulen verbietet, in denen sexuell diskriminierende Regelungen gelten. Die Direktive stellt keine neuen rechtlichen Grundsätze auf. Sie solle aber deutlich machen, was die Regierung im Gegenzug für die Finanzierung von den Schulbezirken erwarte, hieß es aus Regierungskreisen.

Die Auseinandersetzung um das Gesetz, die auch als Stellvertreterkampf für oder gegen mehr gesellschaftliche Liberalisierung geführt wird, dürfte damit weiter verstärkt werden. Unterstützergruppen feierten die Direktive als einen Meilenstein. Das National Center for Transgender Equality bezeichnete sie in einem Statement als einen der größten Siege im Kampf für die Rechte von Transgendern. Die Regierung habe deutlich gemacht, dass Diskriminierung gegen Transgender illegal sei.

Die Konservativen machten dagegen deutlich, dass der Streit noch nicht vorbei ist. Der texanische Vizegouverneur Dan Patrick sagte in einer ersten Reaktion, sein Staat würde lieber auf die rund zehn Milliarden Dollar der Regierung für sein Bildungssystem verzichten, als die Richtlinie umzusetzen. Der Justizminister von Texas, Ken Paxton, teilte mit: "Wenn Präsident Obama denkt, er kann Schulen in Texas so einschüchtern, dass sie Männern den freien Zutritt zu Mädchen in deren Toiletten gewähren, sollte er sich lieber auf eine weitere gerichtliche Auseinandersetzung vorbereiten."