Im Auschwitz-Prozess haben die Verteidiger des früheren SS-Wachmannes Reinhold Hanning Freispruch gefordert. In der Verhandlung seien keine Beweise für die direkte Beteiligung des angeklagten heute 94-Jährigen an konkreten Taten vorgelegt worden. Das sagte Rechtsanwalt Johannes Salmen in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Detmold, wo der Fall verhandelt wird. Hanning habe zu keinem Zeitpunkt Menschen getötet, geschlagen oder dabei geholfen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert.

Der frühere SS-Wachmann ist wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 170.000 Menschen angeklagt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, Teil der Tötungsmaschinerie der Nazis gewesen zu sein. Hanning hat in der Zeit vom Januar 1943 bis Juni 1944 im Konzentrationslager Auschwitz gearbeitet. Dort sind zwischen 1940 und 1945 bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet worden. 90 Prozent davon waren Juden.

Hannings Verteidiger sagte, sein Mandant habe sich zwar in den Dienst eines verbrecherischen Systems gestellt und Befehle befolgt. Als einfacher Arbeiter ohne Schulabschluss habe der junge Mann die Folgen seines Handelns jedoch nicht überblicken können. Heute bereue er sein Verhalten.

Erst im April dieses Jahres hatte Hanning selbst sein Schweigen gebrochen und vor dem Landgericht Detmold ausgesagt. "Ich schäme mich dafür, dass ich das Unrecht sehend geschehen lassen und dem nichts entgegengesetzt habe", sagte er. "Es tut mir aufrichtig leid." Er bereue zutiefst, einer verbrecherischen Organisation angehört zu haben, die für den Tod vieler Unschuldiger und für die Zerstörung unzähliger Familien verantwortlich sei.

Nach dem Plädoyer seines Verteidigers nutzte Hanning die Möglichkeit eines persönlichen Schlusswortes nicht. Voraussichtlich am kommenden Freitag will das Gericht sein Urteil verkünden.