Nach dem tödlichen Angriff auf ein Polizistenpaar nahe Paris sind drei Männer in Gewahrsam genommen worden. Das teilte Staatsanwalt François Molins mit. Demnach stammen sie aus dem Umfeld des Attentäters.

Am Montag hatte der Angreifer in Magnanville, etwa 55 Kilometer westlich von Paris, einen Polizisten erstochen und dann dessen Lebensgefährtin – eine Kommissariatsmitarbeiterin – und deren dreijährigen Sohn als Geiseln genommen. Die Polizei habe zunächst mit dem Täter verhandelt. Als die Verhandlungen erfolglos blieben, stürmten Spezialkräfte das Haus und erschossen den Täter, hieß es weiter. Die Frau sei erstochen aufgefunden worden. Das Kind blieb unverletzt.

"Nicht den kleinsten Hinweis" auf die Vorbereitung einer Gewalttat

Bei dem Attentäter handelt es sich um einen vorbestraften Islamisten, bestätigte Molins. 2013 war er wegen der Rekrutierung extremistischer Kämpfer verurteilt worden. Im Gefängnis habe er versucht, andere zum Islamismus zu bekehren, sagte Molins. Nach seiner Entlassung sei der 25-Jährige überwacht worden. Jedoch habe die Überwachung mehrerer Telefone "nicht den kleinsten Hinweis auf die Vorbereitung einer Gewalttat" erkennen lassen, sagte Molins.     

Nun werde wegen Mordes an Amtspersonen, versuchten Mordes und Freiheitsberaubung im Zusammenhang mit Terrorismus ermittelt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung habe die Polizei eine Liste mit Angriffszielen gefunden, unter ihnen Prominente, Journalisten, Polizisten und Rapper. In seinem Auto sei unter anderem der Koran sichergestellt worden. Vor drei Wochen habe der Täter dem IS die Treue geschworen, so Molins.



Täter übertrug die Geiselnahme bei Facebook

Der Täter filmte seinen Angriff über seinen Facebook-Account. Er soll auch Fotos seiner Opfer gepostet haben, berichten französische Medien. Der Facebook-Account wurde inzwischen gesperrt. Nach Angaben des Dschihadismus-Experten David Thomson rief der Täter in dem Video dazu auf, Polizisten, Gefängniswärter, Journalisten und Rap-Musiker zu töten. Das Kind des Polizistenpaares sei auf einem Sofa zu erkennen gewesen.

Präsident François Hollande sagte, es handle sich unbestreitbar um einen Terrorakt. Das Land sehe sich mit einer Terrorbedrohung von sehr großem Ausmaß konfrontiert. Per Twitter teilte er mit, er gedenke der Polizisten, die niederträchtig von einem Terroristen umgebracht worden seien.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat. Der Angriff führe so kurz nach dem schrecklichen Anschlag in Orlando erneut vor Augen, "welche mörderischen Konsequenzen blinder Hass gegenüber Anderen und extremistisches Gedankengut in der Gesellschaft hat".