Im Nordosten Hamburgs haben starke Gewitter und ein Tornado gewütet. Die Feuerwehr löste Großalarm aus: Mehr als tausend Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk rückten zu 254 Einsätzen aus. "Unzählige Dächer" seien abgedeckt worden, darunter auch Hochhausdächer, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Außerdem seien Bäume entwurzelt worden, darunter "50 bis 60 massive Alleenbäume", und zum Teil auf die Straße gekippt. Von Hochhausdächern seien Funkantennen abgerissen und auf die Straße geweht worden, Kleingärten seien zerstört, zahlreiche Keller seien vollgelaufen. Gegen Mitternacht gab die Feuerwehr auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine Entwarnung heraus; das Unwetter sei vorbei.

Menschen kamen nach bisherigen Informationen nicht zu Schaden. "Unglaublicherweise ist niemand verletzt worden", sagte der Feuerwehrsprecher. "Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet." Die Einsätze gingen die ganze Nacht weiter. Das Schlimmste sei aber vorbei: "Wir haben das Gros abgearbeitet", sagte der Sprecher.

Innensenator Andy Grote (SPD) war in der Stadt unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er dankte den Kräften für einen "großartigen und beeindruckenden Einsatz", teilte die Feuerwehr mit.

War es ein Tornado?

Kurz vor 18.30 Uhr hatten Bewohner der Stadtteile Wandsbek und Steilshoop die Feuerwehr über eine Windhose informiert. Sie rief daraufhin Mitarbeiter aus dem Feierabend zurück und verdoppelte die Zahl der Führungskräfte. Mit einem Helikopter der Bundespolizei verschaffte sie sich einen Überblick.

Bei der Trichterwolke handelte es sich höchstwahrscheinlich um einen Tornado. "Es spricht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles dafür", sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Auf Bildern der Wolke war zunächst nicht klar erkennbar, ob sie den Boden berührte; nur dann kann von einem Tornado gesprochen werden. Der Meteorologe Jörg Kachelmann meldete per Twitter: "vermutlich Bodenkontakt".

Stürme im Ruhrgebiet und im Südwesten

Auch im Ruhrgebiet wüteten am Abend teils heftige Unwetter. Die Feuerwehren in Essen und Mülheim an der Ruhr meldeten jeweils mehr als 150 Einsätze bei schweren Gewittern und Starkregen. In Gelsenkirchen rückte die Feuerwehr 90-mal aus: Alle Einsatzzüge seien unterwegs gewesen; wegen der vielen Hilfsanfragen rückte die Feuerwehr nur bei jenen Bürgern an, bei denen das Wasser im Keller höher als 15 Zentimeter stand. Die Feuerwehr in Bottrop meldete 85 Einsätze.

In Baden-Württemberg, in der Nähe von Sigmaringen, rutschte nach Behördenangaben ein durchweichter Hang auf die B 32, die von der Polizei gesperrt werden musste. Die Straße stand zum Teil unter Wasser. Auch im Raum Heidelberg kam es zu starken Regenfällen, die Feuerwehr fuhr zahlreiche Einsätze.

Die Abgeordneten des Bundestags wollen sich heute in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema "Unwetter in Deutschland" befassen. Die Fraktionen von Union, SPD und Grünen beantragten die Debatte gemeinsam. Bei schweren Unwettern und Überschwemmungen waren bereits in der vergangenen Woche in Bayern und Baden-Württemberg elf Menschen ums Leben gekommen. Schätzungen zufolge entstanden Schäden in Milliardenhöhe.