Die Jagd auf Albinos in Ostafrika hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden allein in Malawi seit Jahresbeginn sechs Menschen getötet – unter ihnen zahlreiche Kinder. Auch in Tansania, Mosambik und Burundi werden die manchmal "weiße Schwarze" genannten Menschen verfolgt.

Antrieb für die Entführungen, Verstümmelungen und Morde ist oft der Aberglaube, wonach Substanzen oder auch Schmuck aus Haut oder Körperteilen von Albinos besondere Kräfte verleihen. Andere fürchten, dass Albinos Unglück bringen. Beides, der Aberglaube und die falsche Furcht, hält sich hartnäckig.

Daher leben Menschen mit der Pigmentstörung in ständiger Angst, warnen Amnesty und die Menschenrechtsorganisation Under The Same Sun. Albinos würden nicht nur gewaltsam entführt, es gebe auch Familien, die ihre Albino-Angehörigen verkaufen.

Insgesamt etwa 10.000 Albinos leben nach Angaben der UN in Malawi. Eine seltene genetische Störung führt dazu, dass ihre Augen, Haut und Haare keine Pigmente bilden. Ihre Haut verbrennt in der Sonne sehr schnell, daher erkranken sie häufiger an Hautkrebs. In Tansania erreichen deswegen weniger als zehn Prozent der Menschen mit Albinismus das 30. Lebensjahr.

450 Angriffe, 170 Ermordete

Amnesty berichtet nun von zwei besonders grausamen Fällen aus diesem Jahr. So wurde im April ein zweijähriges Mädchen im Schlaf entführt und ermordet. Ihr Schädel, ihre Zähne und ihre Kleidung wurden später in einem Nachbardorf entdeckt. Im Februar wurde ein neunjähriger Junge gekidnappt und später enthauptet aufgefunden. Auch die Gräber von Albinos sind nicht sicher, wie die Recherchen zeigen. Die Gebeine der Albinos werden ausgegraben und verkauft.

Seit dem Jahr 2000 gab es Under The Same Sun zufolge fast 450 Angriffe auf Albinos in 25 afrikanischen Ländern. Mehr als 170 Menschen wurden ermordet, vielen anderen wurden Gliedmaßen abgetrennt. Auch zahlreiche Vergewaltigungen wurden registriert. Die UN warnen inzwischen vor der "kompletten Auslöschung" der Albinos in Malawi.

Die Täter werden kaum verfolgt

Zwar gibt es Gesetze, die die Verfolgung der Menschen mit Albinismus verbieten, doch werden sie kaum angewendet. In Tansania zum Beispiel wurden seit dem Jahr 2000 gerade einmal neun Täter vor Gericht gestellt. In Malawi bekamen die wenigen Täter, die überhaupt festgenommen worden waren, geringe Strafen oder wurden sogar freigesprochen.

Malawis Präsident Peter Mutharika sagte kürzlich der BBC, dass er beschämt sei über die anhaltenden Attacken auf Albinos – nicht ohne gleichzeitig den Kirchen vorzuwerfen, sie würden das Thema totschweigen. Mutharika kündigte mehr Schutz für die Albinos an, doch dem folgten nach Amnesty-Angaben keine Taten. Auch die Regierung von Tansania gebe nur leere Versprechungen ab, berichtet Under The Same Sun.