Sex mit einer Minderjährigen gegen Geld: Für die CSU sind die Vorwürfe ein Ärgernis, für den Nürnberger Landtagsabgeordneten Michael Brückner und seine Familie verändern sie alles. Der 51-Jährige war am Dienstag überstürzt zurückgetreten, aus privaten Gründen. Am Tag danach gibt er über seine Anwältin "zwei einvernehmliche sexuelle Handlungen mit einer Jugendlichen gegen Entgelt" zu.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt nach den Worten einer Sprecherin wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs Jugendlicher. Es handle sich um zwei Missbrauchsfälle, die der CSU-Mann an einem Mädchen im Altersbereich "15, 16 Jahre" begangen haben solle, sagte die Sprecherin. Die Ermittlungen liefen seit Beginn der vergangenen Woche und stünden noch am Anfang. Details wollte die Sprecherin nicht nennen und verwies auf den "besonderen Persönlichkeitsschutz" der Minderjährigen.

Sein Landtagsmandat hat Brückner zurückgegeben, ebenso seinen Präsidiumssitz beim Bayerischen Bauernverband. "Herr Brückner schämt sich zutiefst für sein Verhalten und dankt seiner Familie für die Unterstützung", schreibt Anwältin Franziska Fladerer in einer Erklärung. Der CSU-Mann habe sich das erste Mal am Tag vor dem 16. Geburtstag mit dem Mädchen getroffen. "Bei dem zweiten Treffen kam es zum Geschlechtsverkehr", so Fladerer. Der Kontakt sei über öffentliche Inserate der Jugendlichen zustande gekommen.

Beschämung ist auch in der CSU spürbar. Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer nannte den Rücktritt richtig und unausweichlich. "Michael Brückner hat einen gewaltigen Fehler gemacht, und für den muss er auch die vollen Konsequenzen tragen", sagte er. "Jetzt muss die Justiz diese Angelegenheit aufarbeiten." Finanzminister Markus Söder, zugleich Nürnberger CSU-Bezirksvorsitzender, sagte ebenfalls: "Wir sind alle sehr schockiert. Dies sind schwere Vorwürfe." Brückners Entschluss, von allen Ämtern zurückzutreten, sei "absolut folgerichtig".

Die übrigen Parteikollegen schweigen zunächst. Das liegt keineswegs am Thema Sex mit Minderjährigen: Gar nicht schweigsam war die CSU, wenn es in den vergangenen Jahren um die Pädophilievorwürfe gegen die Grünen ging. Nun hat die CSU einen Mann in den eigenen Reihen, der gekauften Sex mit einer Jugendlichen gestanden hat. Seehofer sagte, er fürchte wegen der Affäre Schaden für die Partei. Söder will dem offenbar vorbeugen: Mit Brückners Rücktritt sei die Sache für die CSU "kein Thema mehr".

In einer Hinsicht macht es Brückner den Parteifreunden leicht, nichts zu sagen: Er informierte zwar seinen Bezirksvorsitzenden Söder am Montag, nicht aber CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer. Nach Angaben eines Fraktionssprechers war Brückner auch am Mittwoch für die Landtagskollegen nicht erreichbar.