Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben Anschläge auf die Fußball-EM in Frankreich vereitelt. Ein Franzose sei seit Dezember beschattet worden, weil er versucht habe, illegale bewaffnete Gruppen in der Ukraine zu kontaktieren, sagte der Leiter des Dienstes, Wasili Gritsak.

Demnach kaufte der Verdächtige im April in der Ukraine fünf Maschinengewehre, drei Raketenwerfer und andere Waffen sowie Munition. Ende Mai sei er dann von Grenzern und Geheimdienstlern bei der Ausreise nach Polen festgenommen worden, sagte Gritsak. Dadurch seien bis zu 15 Anschläge verhindert worden. 

Der Verdächtige soll Anschläge auf Brücken und Autobahnen in verschiedenen Regionen Frankreichs geplant haben. Außerdem sollten laut SBU Moscheen, Synagogen und jüdische Gemeinschaften sowie Institutionen angegriffen werden, die mit der Organisation der Europameisterschaft oder der Einnahme von Steuern zu tun haben. Der Mann und seine Helfer sollen versucht haben, Mittelsmänner zu finden, die die Waffen aus der Ukraine herausschmuggeln. Als er keine fand, habe er es selbst versucht.  

Zu den Motiven erklärte der Geheimdienst, es handle sich um einen Ultranationalisten, der die französische Regierungspolitik aufgrund eines "massiven Zuzugs von Ausländern nach Frankreich, die Verbreitung des Islam und die Globalisierung" ablehne.

Französische Medien hatten bereits am Freitag über die Festnahme des Mannes berichtet. Der 25-Jährige, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb als Besamer arbeitet, ist in Frankreich nicht polizeibekannt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in dem ostfranzösischen Dorf Nant-le-Petit wurde nach Angaben aus Polizeikreisen ein T-Shirt mit einem Emblem einer rechtsextremen Gruppe beschlagnahmt.

Frankreich kündigt zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen an

Das Turnier in Frankreich beginnt am Freitag. Die Sorge vor Anschlägen rund um die EM ist groß, nach wie vor herrscht der Ausnahmezustand. Nach den Anschlägen in Paris am 13. November, bei denen islamistische Attentäter 130 Menschen töteten, wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht.

Unter anderem hatten die Selbstmordattentäter das Stade de France im Norden von Paris während eines Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Frankreich attackiert. Sie waren allerdings nicht in die Arena gelangt. In dem Stadion finden das Eröffnungsspiel, weitere Partien und am 10. Juli das Finale statt. Mehr als 77.000 Polizisten und 13.000 private Sicherheitsleute sollen das vierwöchige Fußballturnier absichern.

Die Polizei kündigte unterdessen den Einsatz von 1.200 zusätzlichen Armeeangehörigen zur Sicherung der EM im Großraum Paris an. Darauf hätten sich Innen- und Verteidigungsministerium geeinigt. Hintergrund sind Zwischenfälle beim französischen Pokalfinale im Stade de France. Trotz einer zwei Meter hohen Sicherheitsmauer und dreifacher Kontrollen war es Fans gelungen, bengalisches Feuer einzuschmuggeln und im Stadion zu zünden.

Polizeipräfekt Michel Cadot sagte, nicht nur die beiden Spielstätten in Paris und Saint-Denis sowie Fanzonen würden gesichert, sondern auch Räume des öffentlichen Lebens wie Bahnhöfe, touristische Anziehungspunkte und Geschäfte. 

An Stadien und Fanzonen werden zudem private Sicherheitsdienste eingesetzt. Wegen doppelter Sicherheitskontrollen müssen die Fans mit einem enormen Zeitaufwand rechnen. Geplant seien Gesichtskontrollen, die Überprüfung von Taschen und Eintrittskarten und Durchsuchungen, um zu verhindern, dass jemand Sprengstoff ins Stadion schmuggelt, sagte Cadot. An der Fanzone am Eiffelturm, in der bis zu 90.000 Zuschauer erwartet werden, sind 16 erste Kontrollstellen und sechs Eingänge geplant.

Cadot sagte weiter, die Gefahr von Terrorattacken sei weiterhin sehr hoch. Zwar gebe es keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne. Die Bedrohung sei aber real und andauernd. Zuvor hatte auch Präsident François Hollande auf die Gefahr von Anschlägen hingewiesen. "Die Bedrohung besteht", sagte der Staatschef, und dieser Zustand werde noch eine lange Zeit andauern. Aber: "Man darf sich niemals einschüchtern lassen."