69 Millionen Kinder unter fünf Jahren könnten nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef bis zum Jahr 2030 an vermeidbaren Ursachen sterben. Um das abzuwenden, müssten sich alle Länder mehr um Gesundheit und Bildung der Ärmsten bemühen, schreibt Unicef in seinem neu veröffentlichten Jahresbericht. Besonders gefährdet sind demnach Gebiete in Afrika südlich der Sahara und in Südasien.

In den vergangenen 25 Jahren habe es enorme Fortschritte gegeben, sagte Unicef-Programmdirektor Ted Chaiban in New York. So hätten sich sowohl die Kindersterblichkeit als auch die Zahl in extremer Armut lebenden Menschen seit 1990 halbiert. Diese Fortschritte seien aber ungleich verteilt. Die Welt müsse verstärkt jene Kinder in den Blick nehmen, die für Helfer besonders schwierig zu erreichen seien.

Nach Angaben des Jahresberichts werden bis 2030 etwa 750 Millionen Mädchen in Kinderehen zwangsverheiratet sein und 167 Millionen Kinder in extremer Armut leben. In Gebieten südlich der Sahara sind davon schätzungsweise neun von zehn Kindern betroffen. Dort könnten bis dahin die Hälfte aller Kinder leben, die keinen Zugang zu Grundschulunterricht haben. Weltweit besuchen rund 124 Millionen Kinder keine Schulen der Primar- und unteren Sekundarstufe. Bildung und Lebenserwartung hängen dabei eng zusammen: Nach Unicef-Angaben unterliegen Kinder von Müttern ohne Schulbildung etwa in Südasien und im subsaharischen Afrika einem dreifach erhöhten Risiko, vor dem fünften Lebensjahr zu sterben.

Unicef rief alle 193 UN-Mitgliedsstaaten zu nationalen Plänen auf, die den am meisten benachteiligten Kindern der Welt gelten müssten. Zudem müsse sich die Weltgemeinschaft konkrete Ziele stecken, um globale soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Bis zu 147 Millionen Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren könnten vor dem Tod wegen verhütbaren Ursachen bewahrt werden, wenn "in 74 Ländern die Ausgaben nur um zwei Prozent angehoben werden", sagte Unicef-Vizedirektor Justin Forsyth.

Forsyth sagte, das Kinderhilfswerk sende seine Botschaft in eine Welt, die feindseliger geworden sei. Das gelte insbesondere für Migranten und Flüchtlinge, unter denen Millionen von Kindern seien. Dabei flüchteten viele wegen Armut und Ungleichheit. Diese Ursachen müsse man angehen.