Angesichts des akuten Mangels an Lebensmitteln wächst in Venezuela auch in Hochburgen der Sozialisten der Widerstand gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro. "Wir haben Hunger", skandierten aufgebrachte Demonstranten bei Protesten in dem Armenviertel 23 de Enero in der Hauptstadt Caracas und forderten einen besseren Zugang zu Brot, Milch und anderen Grundnahrungsmitteln. In der Küstenstadt Cumana soll bei Protesten ein Mensch gestorben sein, 27 wurden offenbar verletzt. Die Sicherheitskräfte hätten Schwierigkeiten gehabt, die Situation unter Kontrolle zu bringen, sagte die Oppositionspolitikerin Milagros Paz.

Venezuela steht am Rand des Ruins, die Repression hat deutlich zugenommen, es gilt ein Ausnahmezustand. Die im Parlament dominierende Opposition wirft Maduro vor, den Weg in Richtung einer Diktatur bereiten zu wollen.

Im Land mit den größten Ölreserven der Welt mangelt es nicht nur an Nahrungsmitteln, auch die Krankenhäuser, denen die Medikamente ausgehen, sind betroffen. Grund sind Misswirtschaft, eine tiefe Rezession und ein Devisenmangel, um Waren einführen zu können. Überall gibt es lange Schlangen, besonders vor Supermärkten und Bäckereien.

Im wirtschaftlich gebeutelten Venezuela herrscht außerdem derzeit laut Regierung die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Durch die lange Trockenzeit fehlt den Wasserkraftwerken das Wasser zur Stromerzeugung.

Um Strom zu sparen, hatte die Regierung Ende April eine Zwei-Tage-Arbeitswoche für Beamte eingeführt. Diese ist nun wieder abgeschafft worden. Bereits in dieser Woche sollten die Staatsbediensteten auch von Mittwoch bis Freitag für jeweils sechs Stunden an die Arbeitsplätze kommen, kündigte Präsident Maduro an. Seit rund sechs Wochen hatten sie nur montags und dienstags gearbeitet.

Die vorübergehende Zwei-Tage-Woche für Beamte war nur eine der Maßnahmen, um der Stromkrise zu begegnen. Zudem verfügte die Regierung tägliche Stromsperrungen, änderte die Zeitzone, führte neue Feiertage ein und begrenzte die Arbeitszeit in den Ministerien auf sechs Stunden pro Tag. Die Schulen blieben freitags geschlossen – in dieser Woche sollen sie erstmals seit Langem auch freitags geöffnet sein.

Die Opposition wirft dem Präsidenten vor, die Energieknappheit durch Missmanagement und Verschwendung mitverursacht zu haben. Sie versucht nun, Maduro per Referendum abzusetzen – er und die seit 1999 regierenden Sozialisten versuchen das zu verzögern. Der Grund: Findet das Referendum erst nach dem 10. Januar 2017 statt und Maduro wird abgewählt, gäbe es gemäß Verfassung keine Neuwahlen. Dann würde Maduros Vizepräsident die Amtsgeschäfte weiterführen und die Sozialisten blieben bis mindestens 2019 an der Macht.