Anstecker sind in den USA sehr beliebt. Sie teilen schon auf der visuellen Ebene eine Haltung mit. Ein Regenbogen-Button zum Beispiel signalisiert Sympathie für die LGBT-Bewegung. Eine am Sakko angebrachte US-Flagge betont dagegen die Heimatverbundenheit. George W. Bush etwa trat fast nie ohne Stars and Stripes an der Brust auf. Wer sich anders verhält, gilt in konservativen Kreisen schnell als unamerikanischer Politiker. Die Mode hat es sogar nach Deutschland geschafft: Als Innenminister trug Hans-Peter Friedrich (CSU) gerne Schwarz-Rot-Gold am Revers. 

Auch Andrea Burton wollte ein Signal setzen, als sie einen Anstecker der Black-Lives-Matter-Bewegung bestellte. "Man kann nicht still sein, ohne ein Teil der Unterdrücker zu werden", sagte die Anwältin aus Youngstown im US-Bundesstaat Ohio der Washington Post. Aus diesem Grund habe sie den Button der Bewegung, die sich seit 2013 gegen Gewalt gegen Schwarze einsetzt, bestellt: um ein Zeichen zu setzen.

Der Anstecker kam mit der Post und war kleiner, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Womit Burton bestimmt nicht gerechnet hatte, war, dass sie der Anstecker ins Gefängnis bringen würde.

In Handschellen abgeführt

Am vergangenen Freitag trug Burton den Anstecker auch im Gerichtssaal. Bei der Verhandlung interessierte den zuständigen Richter Robert Milich aber nicht der Fall von Burtons Klient, sondern der Button. "Er fragte, ob ich den Anstecker abnehmen würde, ich verneinte", sagte Burton der Washington Post. Nach einem weiteren Wortwechsel zitierte Milich die aufmüpfige Anwältin schließlich in sein Zimmer. Nachdem sich Burton auch dort nicht einsichtig zeigte, ließ er sie wegen Missachtung des Gerichts in Handschellen abführen. Die von Milich verhängte fünftägige Haftstrafe wurde kurze Zeit später ausgesetzt, bis in dem Fall abschließend entschieden ist.

Mit ihrer Weigerung hat Andrea Burton eine landesweite Debatte ausgelöst. Hat sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt? Oder hat sie unrechtmäßig einen gesellschaftlichen Konflikt in einen neutralen Gerichtssaal getragen?

Richter Milich will seinen Standpunkt als unpolitisch verstanden wissen. Es gehe ihm nicht darum, eine Seite zu unterstützen, sagte Milich dem Fernsehsender CBS. "Ein Richter hat objektiv zu sein und er muss dafür sorgen, dass jede Seite eine faire Anhörung erhält." Burton habe gegen das Gesetz verstoßen, als sie mit dem Anstecker in das Gericht kam. Er erlaube auch seinen Mitarbeitern grundsätzlich nicht, politische Symbole im Verhandlungssaal zu tragen. "Politisches Symbol" scheint bei Milich allerdings ein eher enger Begriff zu sein: Ein Anstecker von einer Kirche etwa sei in Ordnung, befand der Richter.

Tatsächlich haben Richter in den USA weitreichende Handhabe in ihrem Gerichtssaal. Sie dürfen die Kleiderordnung bestimmen und Personen, die gegen die Vorgaben verstoßen, unter Androhung und Verhängung von Strafe zur Ordnung rufen. Der oberste Gerichtshof hat zudem entschieden, dass Richter auch politische Äußerungen aus ihrem Verhandlungssaal verbannen dürfen.