Die brasilianische Bundespolizei hat zehn Terrorverdächtige festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Anschläge auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro geplant zu haben, teilte Justizminister Alexandre de Moraes mit. Alle Verdächtigen seien Brasilianer, einer von ihnen minderjährig. Sie hätten einander nicht persönlich gekannt und nur über das Internet kommuniziert. Die Festnahmen seien in zehn unterschiedlichen brasilianischen Staaten erfolgt, darunter São Paulo und Paraná im Süden. Nach zwei Verdächtigen werde noch gefahndet. "Es war eine absolute Amateurzelle (…), eine unorganisierte Zelle", sagte de Moraes. Der amtierende Präsident Michel Temer berief das Sicherheitskabinett ein.

Laut de Moraes gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Verdächtigen gehörten einer "losen Gruppe" namens "Verteidiger der Scharia" an, sagte der Justizminister. Einige von ihnen hätten dem "Islamischen Staat" (IS) im Internet die Treue geschworen. Mehrere sollen zwar versucht haben, vom IS finanziert zu werden, einen direkten Kontakt zu der Terrormiliz habe es aber wohl nicht gegeben. Auch seien die Anschlagspläne noch nicht konkret gewesen. Keiner der Verdächtigen sei nach Syrien oder in den Irak gereist oder ausgebildet worden. Trotzdem müsse man auch unorganisierte Gruppen ernst nehmen, sagt de Moraes.

Der Anführer der Gruppe wohnt de Moraes zufolge in der im Süden Brasiliens gelegenen Stadt Curitiba. Die Übrigen seien über neun Bundesstaaten verteilt. Ein Gericht im Bundesstaat Paraná, wo Curitiba liegt, teilte mit, es gebe Hinweise darauf, dass die Verdächtigen den Einsatz von Waffen und Guerilla-Taktiken geplant hätten.

Überwachung auf WhatsApp und Facebook

Die brasilianische Zeitung O Globo berichtete, die Gruppe sei auf Basis eines neuen Anti-Terror-Gesetzes festgenommen worden. Demnach wurden die Verdächtigen auf WhatsApp und Facebook überwacht. Dort sollen sie sich unter anderem zu Anschlagszielen und Waffenkäufen geäußert haben. Dazu hätten die Verdächtigen versucht, in Paraguay Schusswaffen zu kaufen.

Rund 85.000 Sicherheitskräfte sollen die ersten Olympischen Sommerspiele in Südamerika schützen. Sie finden vom 5. bis zum 21. August statt. Zu den Spielen werden rund eine halbe Million Touristen erwartet. Am Freitag hatte die brasilianische Regierung angekündigt, nach dem Anschlag von Nizza die Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Spiele nochmals erhöhen zu wollen.