Die niedersächsischen Behörden hätten im Fall des Messerangriffs der 15-jährigen Safia S. auf einen Polizisten am Hauptbahnhof von Hannover über die Pläne der Täterin informiert sein müssen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Ermittlungsakten. Demnach hatte die 15-jährige Deutsch-Marokkanerin bereits drei Wochen vor dem Angriff in Chatnachrichten eindeutige Aussagen gemacht. Diese seien aber zu spät ausgewertet worden.

Die Jugendliche war den Ermittlern schon vor der Tat bekannt, weil ihre Mutter sie als vermisst gemeldet hatte. Sie befürchtete, ihre Tochter wolle nach Syrien. Im Januar erwarteten Beamte Safia S. am Flughafen in Hannover, wo sie aus einem Flugzeug aus Istanbul ausstieg. Im Rahmen einer Überprüfung wurde das Smartphone sichergestellt.

Ihr Telefon sei zwar technisch zügig ausgelesen worden, berichtet die SZ. "Inhaltlich ausgewertet wurden die arabisch-, deutsch- und englischsprachigen Chats nach Aktenlage jedoch erst Anfang März." Die Zeitung zitiert die niedersächsische Landesregierung mit den Worten, die unterlassene Auswertung sei "unglücklich" gewesen. Die Polizeidirektion solle den Fall noch einmal überprüfen und Lehren daraus ziehen. Man habe nicht vermuten können, dass ein 15-jähriges Mädchen einen tödlichen Anschlag plane.

Die Jugendliche hatte laut Chatprotokollen behauptet, Kontakt zu "Angestellten des IS " gehabt zu haben und eine "Überraschung für die Ungläubigen" angekündigt. Gechattet hatte sie demnach mit einem der Verdächtigen im Fall des in Hannover abgesagten Fußball-Länderspiels im November 2015.

Safia S. hatte den Polizisten im Februar bei einer Kontrolle völlig unvermittelt angegriffen. Der Beamte war lebensgefährlich verletzt worden. Das neue Anti-Terror-Paket, das der Bundestag im Juni beschlossen hat, sieht vor, das Alter der Jugendlichen, die der Verfassungsschutz wegen Terrorgefahr beobachten darf, von 16 auf 14 Jahre zu senken.