Knapp ein Jahr nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den NPD-Kommunalpolitiker Maik Schneider und fünf mutmaßliche Komplizen erhoben. Fünf Angeklagten werde die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam auf ihrer Website mit. Schneider, der in Nauen Stadtverordneter ist, wird von der Anklage als Rädelsführer angesehen. Er sitzt mit zwei weiteren Angeschuldigten in Untersuchungshaft. Der Prozess könnte noch in diesem Jahr beginnen.

Eine Sporthalle, die als Notunterkunft für rund 100 Flüchtlinge dienen sollte, war in der Nacht zum 25. August 2015 in Brand gesetzt und vollkommen zerstört worden. Der Brand der Stadthalle ist nur eine von sieben Straftaten, die einzelnen Mitgliedern der Gruppe vorgeworfen werden. Der Gruppe, die Landesinnenminister Karl-Heinz Schröter als "rechte Stadtguerilla" bezeichnete, werden unter anderem die Brandstiftung am Auto eines polnischen Bürgers und ein Farbbeutelanschlag auf ein Parteibüro der Linken vorgeworfen. An dem Brandanschlag auf die Sporthalle sollen alle sechs Angeklagten beteiligt gewesen sein.

Nauen gilt bereits seit Längerem als ein Zentrum der rechten Szene in Brandenburg. Im Februar 2015 war Schneider an ausländerfeindlichen Tumulten bei einer Sitzung der Nauener Stadtverordneten maßgeblich beteiligt, bei der über den Bau eines Flüchtlingsheims in der Stadt abgestimmt werden sollte. Gegen Schneider, der Rädelsführer der Aktion war, wurde ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet – auch dieser Vorfall ist nun ein Punkt auf der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Seitdem hatten zahlreiche Antiasylproteste in der Stadt stattgefunden, die erst nach dem Brand der Turnhalle im August 2015 geendet hatten.

Der Ermittlungserfolg gegen die organisierte rechtsextreme Gewalt in Nauen ist vor allem deshalb beachtlich, weil die wenigsten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte aufgeklärt werden. Zugleich ist die Zahl der Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte spätestens 2015 dramatisch gestiegen.

Schneider war sowohl in der havelländischen NPD als auch für die Neonazigruppe Freie Kräfte Neuruppin/Osthavelland aktiv und bewegte sich zeitweise im Umfeld des Kampfbundes Deutsche Sozialisten (KDS) und des seit 2009 verbotenen Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). In der Vergangenheit hatte Schneider zahlreiche Antiasyldemos in Brandenburg angemeldet. Zudem soll er bei mindestens zwei der rechten Pogida-Demonstrationen in Potsdam gewesen sein.

Auch außerhalb von Nauen soll Schneider aktiv gewesen sein, so meldete er beispielsweise den fremdenfeindlichen "Abendspaziergang durch Jüterbog" im November 2015 mit 150 bis 200 Teilnehmern an. Nach dem Aufmarsch wurde der Flüchtlingstreff der evangelischen Kirche in Jüterbog durch eine Explosion zerstört. Die Staatsanwaltschaft prüft noch die Zusammenhänge. Bei einer NPD-Demonstration in Potsdam war Schneider 2012 aufgefallen, weil er in der Nähe der Gegendemonstranten ein Messer mit sich führte. Seine Ausrede: Er habe lediglich seinen Kohlrabi schälen wollen.