Der Angreifer von Nizza hatte nach neuen Ermittlungserkenntnissen Unterstützung bei der Vorbereitung seines Anschlags. Es seien Aufzeichnungen mit Namen von zehn Personen gefunden worden, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Über diese Kontakte habe Mohamed Lahouaiej Bouhlel auch eine automatische Waffe bezogen. Zwei der Verdächtigen sollen in den Tagen vor der Tat mit dem Angreifer in dem Laster gefahren sein. Ein anderer soll den Tatort einen Tag nach dem Attentat gefilmt haben.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen insgesamt fünf Verdächtige, denen sie unter anderem Mord, Beihilfe zum Mord und Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorwirft. Es handele es sich um vier Männer – zwei Frankotunesier, ein Tunesier und ein Albanier – sowie eine Frau mit französischer und albanischer Staatsangehörigkeit, sagte Molins. Gegen sie wurde Untersuchungshaft angeordnet. Ihre jeweilige Rolle muss noch abschließend geklärt werden.

"Sie haben die Tat vorbereitet", sagte Molins. Zudem deuteten die Ermittlungsergebnisse darauf hin, dass der 31-jährige Bouhlel die Tat mehrere Monate geplant habe. Bereits 2015 soll er einen Anschlag erwogen haben. Bisher waren die Ermittler von einem Planungszeitraum von einigen Tagen ausgegangen.

Die neuen Erkenntnisse stützen sich auf die Auswertung von Kommunikationsdaten und Fotos. So wurden auf einem Smartphone des Täters Bilder von zwei Feuerwerken und einem Konzert auf der Strandpromenade von Nizza im Sommer 2015 gefunden, auf denen der Fokus jeweils auf der Menschenmenge liegt. Zudem hatte er einen Zeitungsartikel gespeichert, bei dem es um einen Mann ging, der mit einem Fahrzeug auf eine Restaurantterrasse gerast war.

Der Angreifer war vor einer Woche mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast, die in Nizza einem Feuerwerk anlässlich des französischen Nationalfeiertages zusehen wollte. Der Angreifer tötete dabei mindestens 84 Menschen, mehr als 200 weitere wurden verletzt. Die Polizei erschoss den Täter schließlich.

Verdächtiger beurteilte Anschlag auf "Charlie Hebdo" positiv

Zur Motivation des Attentäters äußerte sich Molins nicht näher. Allerdings wurde auf dem Handy des Tunesiers eine SMS von einem der Verdächtigen gefunden, in der dieser sich im Januar 2015 positiv über den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo äußert.

Bereits am Montag hatte Molins berichtet, der Mann habe in jüngster Zeit ein "unbestreitbares Interesse" an der dschihadistischen Bewegung gezeigt. Er war den Behörden aber vor der Tat nie wegen extremistischer Gesinnung aufgefallen.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte für den Anschlag die Verantwortung übernommen. Doch wurden nach Behördenangaben keine Anzeichen dafür gefunden, dass der Angriff tatsächlich von der Extremistengruppe geleitet wurde.

Karte: Anschlag in Nizza

Übersichtskarte des Anschlags in Nizza