Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem Angriff in München um einen Amoklauf handelt. Es gebe derzeit keine anderen Anhaltspunkte. Der Täter habe einen deutlichen Bezug zu früheren Amoktaten gehabt, sagte Hubertus Andrä, Polizeipräsident der Stadt München, am Samstagmittag bei einer Pressekonferenz zum Stand der bisherigen Ermittlungen.

Der Täter sei ein 18-jähriger Schüler, der nach Angaben von Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch eine Erkrankung "aus dem depressiven Formenkreis" gehabt habe. "Aber das muss alles in Ruhe aufgeklärt werden", sagte der Staatsanwalt.

Die Polizei betonte, es gebe keinen Bezug zum "Islamischen Staat" oder andere Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der Attentäter habe allein gehandelt und sich nach Einschätzung der Ermittler nach dem Angriff selbst getötet. Hinweise, dass er von der Polizei getroffen worden sei, gebe es nicht. Eine Zivilstreife hatte den Täter am Parkhaus des Einkaufszentrums gesehen. Schüsse der Polizisten trafen ihn aber nicht. Einen Abschiedsbrief habe die Polizei bisher nicht finden könne, das könne sich aber noch ändern.

Der Täter hatte nach Angaben der Ermittler eine illegale Pistole der Marke Glock mit 9-Millimeter-Kaliber dabei. Die Seriennummer war ausgefräst. Woher der junge Mann die Waffe bekam, sei noch nicht bekannt. Er habe mehr als 300 Schuss Munition bei sich gehabt. Das sagte LKA-Präsident Robert Heimberger. Im Magazin habe sich noch Munition befunden, auch im Rucksack habe er Ladung gehabt. 

Der junge Mann lebte der Polizei zufolge noch bei seinen Eltern. Bei der Durchsuchung der Wohnung hätten die Ermittler Unterlagen gefunden, die darauf hindeuten würden, dass er sich intensiv mit dem Thema Amoklauf befasst hat. Derzeit gehen die Ermittler auch von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. Die Tat sei am fünften Jahrestag von Breiviks Amoklauf erfolgt, daher liege diese Verbindung auf der Hand, sagte Andrä.

Die meisten Opfer waren Jugendliche

Möglicherweise habe der Täter auch einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken. Das müsse noch geklärt werden, es spreche aber vieles dafür.  

Karte: Tödliche Schüsse in München

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Die Toten stammten alle aus München und Umgebung. Es seien keine Auswärtigen oder Touristen betroffen gewesen, so Polizeipräsident Andrä. Viele der Opfer waren noch minderjährig und wurden in einem Schnellrestaurant, davor und im Einkaufszentrum von den Kugeln getroffen. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen. Unklar sei, ob die Opfer einen Bezug zum Täter hatten. Das werde nun geprüft.

Insgesamt habe die Polizei am Freitag zwischen 18 und 24 Uhr 4.310 Notrufe gezählt. Das sei das Vierfache eines normalen Tages. Der Tatort am Olympia-Einkaufszentrum wird zunächst abgesperrt bleiben. Nach dem Attentat in München sind zurzeit noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz.