Die Schule, auf die Ali S. ging, liegt nur eine U-Bahnstation von seinem Wohnhaus entfernt in einer grünen Seitenstraße. S. besuchte hier die Mittelschule. In der Nähe der Schule spielen Jugendliche Fußball. Einer von ihnen, Marco, ist mit S. zur Schule gegangen. Er ist ein Jahr jünger als er. Als er die Handyvideos von der Tat im Netz gesehen habe, habe er S. gleich erkannt und es nicht glauben können. S. sei in seiner Wahrnehmung ein "ruhiger Kerl" gewesen, sagt er. Auch andere Mitspieler kennen S., wenngleich auch nicht sonderlich gut. Sie beschreiben ihn als Jungen, der gerne Computerspiele wie den Ego-Shooter Counterstrike gespielt habe und der es damit vielleicht sogar ein wenig übertrieben habe. Einige meinen gehört zu haben, dass S. in der Schule gemobbt worden sei. Ganz genau wissen sie es aber auch nicht.

Es ist eine Deutung von S.' Person, die sich gerade in den Reportagen aus München verdichtet. S erscheint darin als psychisch labiler junger Mann mit Hang zu Ballerspielen, der in der Schule ein Außenseiter gewesen sei. Auch die Ermittler gehen derzeit der Spur nach, dass S. in der Schule gehänselt und gemobbt wurde. War es Rache, die ihn schließlich zur Waffe greifen ließ?

Für diese These spricht, dass S. am Freitag – kurz vor seiner Tat – einen Facebook-Eintrag gepostet hatte, in dem er versprach, andere Jugendliche bei McDonalds am Olympiazentrum zum Essen einzuladen. Das Schnellrestaurant ist ein Treffpunkt für Jugendliche im Viertel Moosach, einem der ärmsten der Stadt. S. ging bis vor wenigen Jahren in Moosach auf eine andere Schule, bevor die Eltern mit ihm in die besser situierte Maxvorstadt zogen. Die alte Schule liegt nicht weit vom Olympiazentrum entfernt. Eine These könnte sein, dass S. noch eine Rechnung mit seinen alten Mitschülern offen hatte. In einem Handy-Video, das kurz nach den ersten Schüssen entstand, betont S. zumindest, er sei in einem Hartz-IV-Viertel groß geworden.

Gut möglich also, dass Rache ein Motiv war, das S. antrieb. Der Psychologe Langman, den S. sorgfältig gelesen hatte, rät dennoch zur Vorsicht und vor falschen Schlüssen. Amokläufer, schreibt Langman, seien "keine normalen Jugendlichen, die sich für Mobbing rächen, die zu viel Videospiele spielen, die einfach mal berühmt sein wollen". Die Gründe für einen Amoklauf seien immer komplexer. "Es gibt vieles, was wir nicht wissen", schreibt Langman.

So wie bisher noch im Fall von Ali S.