In mehreren Städten der USA ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Mehr als 200 Personen wurden im Zuge der Proteste gegen Polizeigewalt festgenommen. Auslöser für die Unruhen war der Tod zweier Afroamerikaner, die letzte Woche innerhalb von 48 Stunden von Polizisten in Louisiana und Minnesota erschossen worden waren. Auf einer Kundgebung gegen Polizeigewalt in Dallas tötete ein 25-jähriger Heckenschütze daraufhin fünf weiße Polizisten.

In St. Paul im Bundesstaat Minnesota, wo ein Polizist am Mittwoch den Schwarzen Philando Castile in dessen Auto erschossen hatte, blockierten Hunderte Demonstranten am Samstagabend stundenlang eine Autobahn und warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen auf Polizisten. 21 Sicherheitskräfte wurden nach Behördenangaben verletzt, mehr als hundert Menschen festgenommen. "Das hat nichts mit Trauer zu tun, das hat nichts mit einer Demonstration zu tun, das nennt sich Aufstand, das nennt sich Gewalt", sagte der Bürgermeister von St. Paul, Chris Coleman. Auch in Baton Rouge in Louisiana, wo ein Polizist am Dienstag den schwarzen CD-Verkäufer Alton Sterling erschossen hatte, wurden mehr als hundert Demonstranten festgenommen, wie örtliche Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten.

In Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte die Polizei am Freitagabend Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt, die Steine warfen. In Rochester im Bundesstaat New York wurden 74 Demonstranten nach einem Sitzstreik festgenommen. Die Polizei in San Francisco hielt Demonstranten davon ab, eine Straßenkreuzug zu besetzen.

Obama will am Dienstag Dallas besuchen

Präsident Obama verkürzte nach den Ereignissen seine Europareise um einen Tag und soll schon am Sonntagabend in die USA zurückkehren. Bei einer Zwischenlandung in Madrid verteidigte er die US-Polizei: Eine große Mehrheit der Polizisten mache "wirklich gute Arbeit und versuche, Menschen zu schützen", und dies fair und ohne rassistische Tendenzen. Am Dienstag wird Obama nach Dallas reisen, um bei einer ökumenischen Trauerfeier für die getöteten Polizisten zu sprechen, wie das Weiße Haus mitteilte.

Parteiübergreifend mahnten Politiker, die Spaltung des Landes nicht weiter zu vertiefen. Vizepräsident Joe Biden verurteilte die Polizistenmorde, aber auch die tödlichen Polizeieinsätze gegen Schwarze. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte, "weiße Amerikaner müssen besser zuhören, wenn Afroamerikaner über die Hürden sprechen, auf die sie stoßen".

"Wer kein Afroamerikaner ist, wird niemals ganz begreifen können, was es bedeutet, schwarz zu sein", sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ähnlich äußerte sich der frühere Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Newt Gingrich. Schwarze in den USA lebten gefährlicher als Weiße, erklärte Gingrich, der als Donald Trumps möglicher Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt wird.