"Ich habe schon so viele Kinder gesehen, die aus dem Trümmern gerettet wurden. Aber dieses Kind, mit dieser Unschuld, hatte keine Ahnung, was um ihn herum geschah." So beschreibt der Kameramann und Aktivist Mustafa al-Sarout im britischen Guardian den Moment, als er den jungen Omran D. filmte. Das Bild ging um die Welt. Ein Screenshot aus dem Video zeigt den verletzten Jungen, der mit blutverschmiertem und mit Staub bedecktem Gesicht im Krankenwagen sitzt und apathisch in die Leere starrt. Es wurde über Social Media tausendfach geteilt. Die Aufnahme ist entstanden, nachdem Helfer das Kind aus seinem zerbombten Haus getragen hatten. Das Gebäude in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo war bei einem Luftangriff zerstört worden.

Al-Sarout arbeitet als Journalist für die oppositionelle Plattform Aleppo Media Center, die das Video verbreitete. Dem Guardian sagte er, er habe bereits viele Luftangriffe dokumentiert. Es überrasche ihn, dass das Video so große Bekanntheit erlangte. Auf diese Kinder würden jeden Tag Bomben abgeworfen. "Das ist kein Ausnahmefall." Vielmehr stehe das Kind repräsentativ für die Millionen anderer Kinder in Syrien und seinen Städten.

Von Omran D. hieß es, er sei mittlerweile wieder zurück bei seinen Eltern. Sie seien zusammen mit den vier Kindern der Familie unter den Trümmern begraben, aber gerettet worden. Manche Aktivisten bezifferten sein Alter auf fünf Jahre, andere sprachen von vier.

Im Gesicht des Jungen habe sich so viel abgespielt, sagte al-Sarout. Dazu die Mischung aus Staub und Blut, und das alles in diesem Alter. Die gesamte Nachbarschaft des Hauses sei verwüstet worden. Mehrere weitere Menschen seien verwundet worden. Menschen seien schreiend vor den Bomben geflohen und hätten versucht, sich in Gebäuden zu verstecken, die kurz darauf einstürzten.

Der Guardian sprach auch mit dem Arzt, der Omran im Krankenhaus behandelte. Auch er sagte: "Er kam hier an in völligem Schock, total verwirrt von dem, was gerade geschehen war." Zuvor habe er sicher zu Hause gesessen, vielleicht habe er geschlafen. Dann sei das Haus über ihm zusammengebrochen. "Als wir ihn behandelten, schrie oder weinte er nicht, er war nur geschockt." Er konnte dem Arzt zufolge noch in der Nacht mit einer leichten Kopfverletzung und Prellungen entlassen werden. Auch zwei seiner Geschwister sowie sein Vater seien medizinisch versorgt worden. 

Lage in Aleppo immer dramatischer

Der Arzt forderte ein Ende der Kämpfe. "Wir leben seit fünf Jahren mit der täglichen Realität von Kindern und unschuldigen Zivilisten, die getötet werden." Syriens Kinder verdienten es, in Frieden zu leben.

Die Lage in Aleppo wird immer dramatischer. Russland hatte sich am Donnerstag dazu bereit erklärt, jede Woche eine 48 Stunden lange Feuerpause in Aleppo einzuhalten. Vor allem im von Rebellen kontrollierte Ostteil der syrischen Stadt leiden die Bewohner an einem Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser und medizinischem Material, seit Regierungstruppen das Viertel belagert hatten. Eine Versorgungsroute ist heftig umkämpft.