Der mutmaßliche Lieferant der Schusswaffe, mit der der Amokläufer von München neun Menschen und sich selbst getötet hat, ist gefasst. Dies teilten die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Landeskriminalamt München mit. Es bestehe der dringende Verdacht, dass der 31-Jährige aus Marburg die Tatwaffe geliefert habe. Zudem nahmen Ermittler die gleichaltrige Lebensgefährtin des Mannes fest.

Die Ermittler kamen dem mutmaßlichen Waffenlieferant nach eigenen Angaben auf die Spur, indem sie bei dem Mann im Darknet zum Schein Waffen bestellt hatten. Dabei habe der Verdächtige mitgeteilt, dass er dem Amokschützen von München Waffe und Munition verkauft habe. Bei der geplanten Übergabe der Waffen an die Ermittler sei der Mann festgenommen worden. Er habe eine durchgeladene Pistole bei sich gehabt. Dennoch sei die Festnahme "völlig reibungslos" verlaufen. Es sei Haftbefehl beantragt worden.

Der Mann und seine Lebensgefährtin arbeiteten bei ihren Waffengeschäften offenbar zusammen. Den Ermittlern zufolge regelte der Mann die finanziellen Angelegenheiten, während die Frau für die Warenübergabe zuständig war.

Der 18-jährige Täter David S. hatte am 22. Juli im Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen. Nach Polizeiangaben hatte er 300 Schuss Munition bei sich. Bei der Tatwaffe habe es sich um eine Pistole der Marke Glock mit einem Neun-Millimeter-Kaliber gehandelt. Die Waffe hatte demnach keine Seriennummer mehr. Sie war einst zu einer Theaterwaffe umfunktioniert, dann aber wieder zu einer scharfen Waffe umgebaut worden. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Täter sich seine Waffe im Darknet besorgt habe.

David S. war in psychiatrischer Behandlung

Am Tatort hatte der Täter fast 60 Schüsse abgegeben. Nach dem ersten Angriff flüchtete der Täter auf das Dach eines Parkdecks. Anschließend lief er in eine Seitenstraße unweit des Einkaufszentrums. Dort traf er nach Polizeiangaben auf eine Polizeistreife. Nachdem die Beamten ihn ansprachen, habe der Täter die Waffe unvermittelt gegen sich selbst gerichtet und sich erschossen.

Der Täter war in München geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. In der Wohnung seiner Eltern fanden die Ermittler zahlreiche Artikel über Amokläufe und das Buch Amok im Kopf. Warum Schüler töten des amerikanischen Psychologen Peter Langman. Der Amokschütze war laut Landeskriminalamt auch selbst nach Winnenden gefahren, um sich am Ort des Schauplatzes des Amoklaufs umzusehen, und dort Fotos zu machen. 

Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft war David S. wegen einer psychiatrischen Erkrankung in Behandlung. In der Wohnung habe man ärztliche Behandlungsunterlagen gefunden, die auf eine Angststörung und Depressionen hindeuteten.